Deutsche Grabstellen um Gallipoli

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Im Dezember 1915 waren in Gallipoli rund 1500 deutsche Soldaten aller Dienstgrade eingesetzt. Bei der Anafartagruppe waren 51 deutsche Offiziere mit rund 100 Unteroffizieren und Mannschaften, bei der Nordgruppe acht Deutsche, wobei sich die Mannschaftsstärke nicht mehr nachweisen läßt. Bei der Südgruppe taten rund 35 Offiziere Dienst[1]. Dazu sind allerdings noch die Soldaten der Militärmission in Istanbul, die Besatzungen der Schiffe der Mittelmeerdivision und des Marine-Sonderkommandos und noch eine große Zahl von zusätzlich in die Türkei kommandierten Spezialisten für die Waffen- und Munitionsherstellung, Ärzte und Personalersatz zu rechnen. Insgesamt dürften direkt an Gallipoli-Kämpfen zwischen 1000 und 1500 deutsche Soldaten direkt oder beteiligt gewesen sein, von denen vermutlich ca. 200 starben oder fielen, bzw. bis zu 750 verwundet wurden oder erkrankten. 

 

Mit dem Beginn der Kampfhandlungen an den Dardanellen waren auch die ersten deutschen Gefallenen zu beklagen. Bei der Beschießung der äußeren Dardanellenforts am 19. Februar 1915 fielen zwei deutsche Soldaten, wobei nur Leutnant z. S. Woermann namentlich genannt wurde; der andere deutsche Soldat blieb bis heute unbekannt. Da der Weg von der Halbinsel bis nach Istanbul zu weit für eine Überführung war, wurden die Gefallenen unmittelbar vor Ort bestattet. So geschah es auch mit Leutnant Woermann, dessen Beisetzung von Oberst Kannengiesser beschrieben wurde: „In der Batterie Orhanié ist der Leutnant z. S. Woermann gefallen. Unter türkischer Flagge, das Gesicht gegen Mekka, wird er von einem Hodscha begraben. Ein totes und doch sprechendes Zeugnis der deutsch-türkischen Waffenbrüderschaft.“[2] Bereits wenige Wochen später fielen am 18. März im Zuge des alliierten Flottenangriffs auf die Dardanellen vier deutsche Matrosen, die als Artilleriebesatzung im Fort Hamidié zusammen mit türkischen Soldaten eingesetzt waren. Über die eigenen Verluste dieses Tages schrieb von Admiral Usedom: „Trotz dieser bisher stärksten Beschießung waren die Verluste gering. Gefallen waren im ganzen 3 türkische Offiziere und 21 Mann, darunter die 3 deutschen, verwundet 1 deutscher und 1 türkischer Offizier, sowie 18 deutsche und 59 türkische Mannschaften [...] Noch am Abend wurden die Toten der deutschen Besatzung von Hamidie, 1 Unteroffizier, 2 Mann, begraben [...] Von den Verwundeten ist mittlerweile noch ein deutscher Unteroffizier gestorben.“[3]

Bei diesen Gefallenen handelte es sich um die Matrosen Paul Sommerfeld, Erich Schildhauer, August Brilla und Wilhelm Radau, die durch einen Artillerietreffer fielen, wobei Wilhelm Radau erst zwei Tage später seinen Verwundungen erlag. Die deutschen Matrosen wurden mit ihren gefallenen türkischen Kameraden in einer gemeinsamen Grabstätte beerdigt. Zunächst wurde diese durch ein Holzkreuz markiert, auf dem geschrieben stand: „Den Heldentod fürs Vaterland erlitten an dieser Statt am 18. März 1915“, dann die Namen sowie „Die Deutsche Besatzung“. Das Kreuz wurde ein Jahr später durch eine Mamorstele ersetzt. Dieser kleine Begräbnisplatz bei Hamidié war nach dem Krieg der einzig erhaltene und bekannte Friedhof um Gallipoli, auf dem deutsche Soldaten bestattet waren.

 

Über die erste Gedenkfeier am 18. März 1916 zu Ehren der im Fort Hamidié gefallenen Soldaten schrieb Kriegsberichterstatter Schweder: „Die erste ernste Feier des Jahrestages der gewaltigen Dardanellenschlacht gilt den Toten des 18. März. – Über eine sumpfige Wiese hinweg marschieren wir zur stillen Grabstätte am Fuße des Dardanos-Höhenzuges, wo vier deutsche und drei türkische Helden des denkwürdigen Tages ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Als ich die Gräber vor wenigen Wochen zum erstenmal sah, waren sie noch von einem geheimnisvollen Gitter umgeben, hinter dem deutsche und türkische Steinmetze in Uniform mit Hammer und Meißel schafften. Heute hatten daneben liebevolle Hände auch noch für Baum- und Blütenschmuck gesorgt und Frühlingsblumen sprossen sowohl aus dem deutschen wie auf dem türkischen Gemeinschaftsgrab. Auf beiden erhoben sich außerdem prächtige Mamorgrabmäler, deren Inschriften von den Namen und Taten dieser jüngsten Märzgefallenen erzählen. Zum erstenmal sahen wir Kreuz und Halbmond auf einem gemeinsamen deutsch-türkischen Friedhof [...] Und dann der knorrige Vizeadmiral aus dem fernen, deutschen Ostpreußen, der im Namen der ganzen Trauerversammlung zwei Kränze aus schlichten Zypressen- und Pinienzweigen an den beiden Gräbern niederlegte, in tiefer Bewegung der Seinen gedenkend, die er vor einem Jahr selbst mit in die kühle Erde betten half [...] Ringsum stand die deutsche und türkische Mannschaft der Dardanellenforts. Von einer schwarz-weiß ausgeschlagenen Feldkanzel herab gedachte zunächst Marinepfarrer Müller aus Wilhelmshaven, der eben erst vom Marinekorps in Flandern herübergekommen war und hier gemeinsam mit dem katholischen Amts- und Ordensbruder, dem bayrischen Pater Hironymos, die Seelsorge unter den deutschen Marinetruppen in der Türkei wahrnehmen soll, der Helden vom 18. März.[...] Die türkischen Soldaten erhoben die Hände zum Gebet, und die deutschen Kameraden folgten ihrem Beispiel, indem sie die Ellbogen an den Leib legten und die Hände nach oben öffneten. Nach Verlesung einiger Koranverse wies der Hodscha auf die innigen Beziehungen zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und dem türkischen Reiche hin, die die Gefallenen des 18. März mit ihrem Blute besiegelt hätten.[...] Eine gemeinsame Parade der beiden Truppenteile unter einheitlichem türkischen Kommando beschloß die Feier im Fort, in dessen bescheidener Messe sich später die Kombattanten des 18. März zum fröhlichen Mahle zusammenfanden.“ [4]

 

Mit der alliierten Landung am 25. April 1915 wurden deutsche Soldaten auch in direkte Kämpfe zu Lande verwickelt, wobei vor allem die Landungsabteilung der Mittelmeerdivision mit ihren zwei Maschinengewehrzügen, die ab dem 3. Mai im Süden der Halbinsel eingesetzt waren, die größten Verluste erlitt[5]. Auch diese Gefallenen mussten zunächst direkt auf dem Schlachtfeld in schlichten Grabstätten bestattet werden, sofern man überhaupt die Leichname bergen konnte. Schon am ersten Tag ihres Einsatzes fielen am 3. Mai die Ober-Matrosen Gerhard Prüntges und Werner Dathe im Bereich des Kerewisdere bei der Abwehr des französischen Angriffs. Am 4. Mai fiel der Artillerie-Matrose Reinhold Drechsler und zwei Tage später starb an den Folgen eines Kopfschusses der Ober-Matrose Hinrich Kutnik. Am 4. Juni fielen die Matrosen Johann Haase und Gerhard Flesner sowie die Ober-Matrosen Eduard Gorzelski und Paul Hoheisel der Landungsabteilung bei Sigindere durch Artillerietreffer und wurden vermutlich in zwei Doppelgräbern bestattet.

Am 9. Juni 1915 fielen der Feuerwerker Robert Lass und der Matrose Paul Schirrmacher bei Kumkale. Zu deren Schicksal gibt der Auszug aus dem Tagebuch von Hauptmann Haentjens, Batterieführer der Aleman-Batterie (8,8 SK Batterie Goeben, mglw.  auch „Usedom-Batterie“). Die 12 cm Haubitzbatterie wurde von Hauptmann Haspi geführt. Beide Batterien befanden sich im Intepe-Bereich, wo es heute noch eine Gedenkstätte der Gefallenen gibt.  

 

„9.6.15. Mittwoch

Wetter: klar, heiß. Wind N. 3-4. Schlafe unter Eiche beim Beobacht.Stand.

1) 46 Schuß  5.15 – 6.20 a.m. auf Kolonnen zwischen 2. u. 3. Pfeiler u. Zelt u. Proviantlager (Notizbucheintrag: links Sidil-Bar). Gute Erfolge.

6.20 a.m., werden von 15 cm-Haubitzen beschossen, 8 Schuß, teils +, teils -. Dicht bei Batterie. 

2) 6.40 a.m. Feuer eröffnet auf Kolonnen beim 3. Pfeiler 4 Schuß. (Notizbucheintrag: 83 hm). Werden dann von neuem beschossen, unter Fliegerbeobachtung.

7.10 Treffer dicht hinter dem Laufgang zwischen 2. u. 3. Geschütz. Telephon nach Stand unterbrochen. Giese meldet, daß 4 Mann verschüttet, davon Feuerwerker Laß, Matrose Schirrmacher u. 2 türk. Unteroffiziere. Stürze mit Feuerwerker Gößel in die Batterie. Laß wird gerade ausgegraben, lebt, bei Bewußtsein, aber schwer gequetscht, stirbt nach 2 Std. im türk. Verbandsplatz. Schirrmacher kann nicht nach 20 Min. geborgen werden, da unter schwerem Wurzelwerk einer Eiche liegt; tot. Die 2 Türken ebenfalls. Beim Bergen schlägt eine zweite Minengranate dicht hinter Batterie ein.

3) 4.30 – 4.39 p.m. 3 Schuß auf Hissarlik Haubitzen.

4) 6.10 – 6.15 p.m. 2 Schuß auf Boote hinter Brückendampfer.

5) 6.55 – 7.05 p.m. 10 Schuß auf Hissarlik-Haubitzen.

7.15 – 7.30 wieder 8 Granaten auf Stellung II geworfen, da Feind annimmt, daß wir inzwischen umgezogen.

7 h p.m. Die Deutschen neben den Türken unter einer Eiche hinter der 12 cm-Kanonen-Batt. bestattet. 3 Ehrenfahnen, hieran beteiligen sich auch die türk. Off. u. Mannschaften.”[6]

 

Die Gräber der beiden gefallenen Deutschen wurden zunächst mit Holzkreuzen markiert, die später durch eine Steinstele ersetzt wurden, welche aber später an anderer Stelle aufgefunden wurde. Durch einen Zufall wurde der Grabstein an der Straße von Kumkale nach Çanakkale – etwa 200-300 m vom ostwärtigen Ortsende des Dorfes Kumkale entfernt – von einem Bauern unter Zypressen gefunden und 1993 der Troja-Grabung überlassen, wo er sich bis heute im dortigen Grabungshaus befindet[7].

Warum die Stele von der Gedenkstätte Intepe verschwunden ist, bleibt ungeklärt. Es kann sein, dass man diesen deutschen Grabstein zum jetzigen Design der Gedenkstätte als nicht passend empfand und deswegen ihn deswegen von der heutigen Grabstätte entfernte.

 

Während am 28. Juni bei den schweren Gefechten an der Südfront bei Kirthe der Ober-Matrose Peter Brückers fiel, wurden Teile der Landungsabteilung am 6. August an die Anafarta-Front verlegt, um dort die Verteidigung gegen die Landung an der Suvla-Bucht zu unterstützen. Am 8. August fiel der Zugführer des dortigen Maschinengewehrzuges, Leutnant z. S. d. Res. Oskar Hildebrandt auf dem Kocaçimen Tepe. Er wurde zunächst in einem nahen Tal, dem Denisdere beerdigt, aber später auf den Friedhof der Landungsabteilung auf dem Kilia Tepe umgebettet. Ebenfalls starben an diesem Tag die Matrosen Matthias Dank, der auf dem Ismailoğlu Tepe bestattet wurde, sowie Fritz Klaus, der zunächst im Kurtdere beerdigt wurde. Am 10. August erlag der Ober-Matrose Ernst Buchmüller seinen Verwundungen. Vermutlich wurden auch diese Soldaten später auf den Kilia Tepe umgebettet. Dort hatte sich die Landungsabteilung sowohl ein festes Quartier als auch einen eigenen Friedhof errichtet. Während die Steinbauten der Unterkünfte auf einem Plateau am Südhang des rund 130 m hohen Berges gelegen waren, hatte man den Friedhof direkt auf der Bergkuppe platziert.

Schweder, der 1916 das Schlachtfeld besuchte, schrieb über diesen Friedhof: „Schon heute, wo die Siegesfahnen über Gallipoli und den Meerengen wehen, erhebt sich auf der beherrschenden Höhe von Kilia-Tepe ein mächtiges Grabdenkmal für eine Anzahl deutscher Mitkämpfer in der Dauerschlacht von Gallipoli [...] Auf dem höchsten Punkte des Berges ruhen die Helden unseres Marinekorps, die in den Kämpfen bei Ari-Burnu, Anaforta und Sedd-ul-Bahr gefallen und von ihren Kameraden hier oben im Angesichte einer der schönsten Landschaften der Welt beigesetzt worden sind. Ich sah die Gräber des Leutnants zur See Hildebrandt, von vier Obermatrosen, einem Marinefeldwebel und zwei Matrosen, die in der Zeit von Juli bis Ende 1915 geblieben sind. Zu ihren Häupten erhebt sich ein mächtiger Granitsockel, auf dem ein alter Schiffsanker steht. Die Maschinengewehrabteilung hat ihn ebenso wie ein paar Dutzend gewichtiger alter Steinkugeln aus türkischen Geschützen den Berg heraufgeschleppt, um den toten Kameraden für alle Zeiten ein bleibendes Denkmal zu schaffen. Still und friedlich ist es rund um den letzten Ruheplatz der blauen Jungen.“ [8]

 

Gegen Ende 1915 fanden nur noch sporadische Kämpfe auf Gallipoli statt und von der Landungsabteilung, die in zwei Departements aufgeteilt bei Ariburnu und beim Kireç Tepe eingesetzt war, fiel am 7. September der Ober-Matrose Wilhelm Peters. Peters war am 4. Juni aus britischer Gefangenschaft entkommen, indem er seinen Bewacher zu Boden stieß, dann zwei Tage in einem Granattrichter ausharrte und bei der Rückkehr halbverdurstet zu den eigenen Reihen fast erschossen wurde. Er wurde ebenfalls auf dem Kilia Tepe bestattet. Am 17. Oktober starb der Ober-Matrose Christian Rathert der Landungsabteilung an Typhus und wurde auf dem Friedhof der Landungsabteilung beerdigt. Am 8. November fiel der Ober-Matrose Hinrich Kaufhold und wurde ebenso wie die Matrosen Wilfried Hecht, gefallen am 12. Dezember und Emil Reinicke, gefallen am 29. Dezember auf dem Soldatenfriedhof auf dem Kilia Tepe, bestattet[9].

Aus der Verlustliste der Landungsabteilung sind für den Zeitraum 3. Mai bis 29. Dezember 1915 insgesamt 32 Gefallene dokumentiert, von denen aber offensichtlich nur wenige auf dem Kilia Tepe ihre letzte Ruhe fanden. Vermutlich sind aber die Toten der Landungsabteilung insgesamt auf eher 50 bis 60 zu schätzen, da noch etliche Soldaten an ihren Erkrankungen in den Krankenhäusern in Istanbul verstarben. Dr. Hiltmann, der als Arzt bei der Landungsabteilung eingesetzt war, schrieb: "Die Gefallenen der Landungsabteilung wurden fast immer aus den Stellungen in die Lager zurückgebracht und, wenn eben möglich, nach Kilia Tepe transportiert, wo wir einen deutschen Marinefriedhof angelegt hatten. Eine Anzahl der in den Maikämpfen an der Südspitze und in der Augustschlacht an der Suvlabucht Gefallenen konnte nicht mehr aufgefunden werden und ist entweder mitsamt den Maschinengewehren von englischen Schiffsgranaten verschüttet oder von türkischen Soldaten an Ort und Stelle bestattet worden. Wir haben nie etwas davon erfahren. Meist waren es ganze Bedienmannschaften eines Maschinengewehrs, von denen keiner wiederkehrte. 

Die Zersetzung der Leichen ging in dem trockenenn Erdboden sehr schnell vor sich. Ich habe im Januar 1916 mehrfach Exhumierungen vorgenommen, um die Reste gefallener Matrosen und auch eines gefallenen Offiziers von der Front nach Kilia Tepe zu überführen. Es handelte sich um Kameraden, die im August und September 1915 gefallen waren. Von den in Zeltbahnen bestatteten Leichen, die in kiesdurchsetztem Lehmboden an Hügelhängen in etwas 3/4 m Tiefe lagen, waren nur noch die Knochen vorhanden und ganz geringe eingetrocknete und völlig geruchlose Weichteilreste der Kopfhaut und Beckenmuskulatur."

 

Bei der Freiwilligen Pionierkompanie, die ab Juli 1915 auf Gallipoli eingesetzt war, sind keine genauen Verlustzahlen bekannt. Diese Kompanie, die vor allem für den Stellungs- und Minenkampf als komplette, freiwillige Einheit in Deutschland zusammengestellt worden war, hatte innerhalb kurzer Zeit hohe Ausfälle, allerdings offensichtlich überwiegend durch Krankheit. Von Verlusten dieser Einheit gibt es den Hinweis, dass es 1919 beim „Alten türkischen Hospital bei Cham Burnu“ einen türkischen Friedhof mit einigen deutschen Grabstätten gegeben hätte, die mit Kreuzen für drei „deutsche Pioniere“ gekennzeichnet worden waren[10], sowie den Pionier Bierwagen, der am 20. August 1915 an seinen am selben Tag erlittenen Verwundungen im Lazarett von Agadere verstorben war.

Die Pionierkompanie hatte ein eigenes Feldlager ähnlich dem der Landungsabteilung, dessen Ort allerdings nicht mehr genau festzustellen ist. Dort hat es auch einen eigenen Soldatenfriedhof gegeben. Adolf Horaczek schrieb dazu in seinen Erinnerungen: "Unser Friedhof lag direkt beim Lager auf einer kleinen Anhöhe. Der Feldwebel, ein gelernter Zimmermann, fertigte jedem Gefallenen ein schönes Holzkreuz. Die letzten Worte unseres Majors lauteten bei jeder Beerdigung: „Wo gehobelt wird, da fallen Spähne.""

In einer Verlustliste vom 23. September 1915 waren drei Gefallene und zwei an Krankheit verstorbene Pioniere gemeldet worden[11]. Insgesamt dürften aber die Zahl der Toten der Pionierkompanie um die 30 bis 40 gelegen haben.

 

Am 7. Mai 1916 fiel Torpedier Rudolf Lothar Bettaque im Alter von 26 Jahren, der noch am 4. Mai 1916 eine Feldpostkarte an seine Ehefrau geschrieben hatte: „Für das Weihnachstpaket, das ich gestern erhalten habe, besten Dank. Ganz schön (…) ist´s nicht mehr hier unten; aber es lässt sich noch ertragen.(Rudi).“[12] Bettaque war u.a. an der Verlegung der Minensperre am 7./8. März 1915 durch die NUSRET beteiligt.

 

Vermutlich einer der letzten Gefallenen auf Gallipoli war der Luftfahrzeugführer Offizierstellvertreter Kurt Haaring. Anfang August starteten er und Emil Meinike nach einer Alarmierung vom Flugfeld in Çanakkale. Beide wurden in Luftkämpfe verwickelt. Während Meinike seinen Gegener abschütteln konnte, erlitt Haaring einen Bauchschuss. Er konnte zwar noch sicher landen, verstarb aber am 17. August 1918 an seiner Verwundung. Er war, nach heutiger Kenntnis, der einzige Gefallene der Fliegerstaffel 1. In welchem Lazarett er behandelt und wo er bestattet wurde, ist nicht bekannt.

Dieses wirft insgesamt die Frage nach der sanitätsdienstlichen Versorgung in Gallipoli von deutscher Seite auf. Aus einem Bericht über eine Reitjagd im November 1915[13] heißt es: „In liebenswürdiger und freigebigster Weise  hatte Graf Hochberg hier Erfrischungen bereitgestellt“, bzw. in einem anderen Artikel zum gleichen Thema: „Doch an den Windmühlen haben die Rote-Kreuz-Schwestern der Jagdgesellschaft eine Überraschung bereitet“.[14] Mit Graf Hochberg war der Leiter der Rote-Kreuz-Expedition auch „Hochberg-Mission“ gemeint, die zunächst auf Gallipoli und später beim Feldzug in Palästina im Einsatz war. Ebenso weist die Unterschrift das Bildes, das im Herbst 1915 aufgenommen sein soll, dass dieses Lazarett bereits in 1915 in Betrieb war. Bevor man das Lazarett in festen Unterkünften unterbringen konnte, wurden Zelte benutzt. Dieses geht aus einem kurzen Filmsport hervor, der tituliert ist: „Feldlager der deutschen Expedition des Roten Kreuzes auf Gallipoli“.

 

Erstaunlicherweise sind zwei der Hauptkrankenbücher des Feldlazaretts von Bighali[15] erhalten, auch wenn der Teil von leider 1915 fehlt. Somit können nur die Eintragungen von Februar 1916 bis  31.10.1918 nachvollzogen werden. In dem Teil von 1915 sind vermutlich die Masse der deutschen Verluste notiert, insbesondere der Pionierkompanie. Aber auch der erhaltene, spätere Teil ist sehr aufschlussreich und bestätigt, dass es bei dem Lazarett einen eigenen Friedhof gegeben hat. In dem nachvollziehbaren Zeitraum starben jedoch keine deutschen Soldaten, sondern ca. 40 türkische Soldaten, die nach Eintrag im Krankenbuch: „Das Grab befindet sich auf dem Berge vor dem Lazarett, nach Osten zu das 2. Grab.” Später schrieb man: “Das Grab befindet sich vor dem Lazarett auf dem Berge.” Dann: “Grab mit Namensschild versehen befindet sich auf dem Berge nahe dem Lazarett (Laz.-Friedhof).” Oder: “Grab mit Namenstafel versehen befindet sich auf dem Lazarettfriedhofe Bigalli, Dardanellen.“ Letztere wird vermutlich an anderer Stelle und möglicherweise direkt an den Dardanellen gelegen haben. So hatte auch das türkische Hauptlazarett in Yalova einen großen Friedhof nahe der Dardanellen, der erst 2013 wieder entdeckt und als Gedenkstätte markiert wurde. Dort sollen bis zu 700 Tote liegen.

Bei den über 1200 Patienten in Bighali handelte es sich überwiegend um türkische Soldaten mit den verschiedensten Krankheitsfällen aber kaum Verwundungen. Weiterhin kann man feststellen, dass die deutschen Ärzte und Schwestern offensichtlich auch dem einfachsten türischen Soldaten die gleiche Behandlung zukommen liessen, was ein beredtes Beispiel der deutsch-türkischen Zusammenarbeit war.

Die deutschen Einheiten verfügten zudem über eigenes Sanitätspersonal und Sanitätseinrichtung, so beispielsweise die Landungsabteilung, die Pionierkompanie und das Sonderkommando. Allerdings war auch hier immer wieder Personal- und Materialersatz erforderlich wie aus einem Telegramm der Botschaft vom 23.9.1915 hervorgeht, in welchem auch die hohen Ausfälle der Pionierkompanie angesprochen werden.

Über die verbliebenen Grabstätten bei Gallipoli und deren Zustand gibt es keine übereinstimmenden Dokumente mehr. Offensichtlich erfolgte während des Krieges keine genaue Registrierung, da die unterschiedlichen Kommandos, wie das Sonderkommando, die Landungsabteilung oder die Pionierkompanie unterschiedliche Sammelgrabstellen hatten und auch teilweise Einzelgräber deutscher Soldaten existierten. Dort, wo für die Gräber später keine Mamorstelen mit Inschriften gefertigt worden waren, verwitterten die Holzkreuze und die Gräber im Laufe der Zeit und konnten keinem bestimmten Soldaten mehr zugeordnet werden bis sie schließlich gänzlich in Vergessenheit gerieten. Aus einem Schreiben von Botschafter Nadolny, der 1925 um eine Bestandsaufnahme aller in der Türkei befindlichen deutschen Kriegsgräber bemüht war, geht hervor, dass im Bezirk Çanakkale insgesamt 17 deutsche Soldaten begraben wären, davon sechs in der Nähe des Forts Hamidié, vier in Topçamlar, einer in Chevketié, zwei in Najakçeşme bei Çatkaltepe. Ein Soldat wäre bei Sairid und 18 deutsche Soldaten im Bezirk Kiliana bei Maydos nahe vom Ali Bey Tchiflik beerdigt[16]. In einer späteren Zusammenstellung aller Grabstellen um Gallipoli, die aus einer Zusammenstellung von Akten des Volksbundes von 1920 bis 1944 erfolgte, wurden die folgenden Gräber genannt: zwei in Agadere, eines in Anafarta, 15 bei Gallipoli, 16 bei Hamidiè, fünf auf Imbros, fünf auf dem Kilia Tepe, zwei bei Krithia, eines bei Chevketié, 24 bei Seddil Bahr, vier bei Çalkaltepe, eines bei Çurşumköy, zwei östlich Kumkale und vier bei Topçamlar[17].  Somit waren insgesamt 82 Gräber an 13 verschiedenen Orten um Gallipoli bekannt. Wenn man jedoch die heute bekannten Grabstätten und die dort bestatteten deutschen Soldaten zusammenfasst, kommt man auf eine Zahl von mindestens 130. Ein weiterer Hinweis stammt aus einem Bericht vom 23.9.1925, in welchem es heißt: “Lediglich bei Maidos, in der Mitte der Halbinsel, liegen, wie mir von verschiedenen Seiten versichert wurde, eine Anzahl von Gräbern”. [18] Diese Bezeichnung kann sich mit der o.a. bei “Maydos nahe vom Ali Bey Tchiflik” decken. Dieser Ort ist aber derzeit nicht mehr bestimmbar.

 

Diese so völlig unterschiedlichen Angaben zeigen die fehlende Kenntnisse über die Grabstätten, deren Lage auch auf keinen Karten genau verzeichnet worden waren. Die Anzahl der dort vermuteten Toten stimmt ebenso wenig mit den heutigen Informationen überein, wie auch die meisten der Namen schon in den ersten Jahren nach dem Krieg verloren gegangen sein müssen. Diesen Umstand erkannte Botschafter Nadolny bereits 1925 sehr deutlich und forderte daher die Entsendung eines Beauftragten, „um beizeiten der drohenden völligen Verwischung der Spuren unserer Kriegerfriedhöfe vorzubeugen“ und „Berichte über die Lage und den – meist trostlosen – Zustand der über das ganze Land zerstreut liegenden Friedhöfe zu erhalten.“[19] Um die Gräberanlagen um Gallipoli begutachten zu lassen, ließ Nadolny den Gesandtschaftsrat Braun von Stumm an einer Reise von türkischen Offizieren und Politikern teilnehmen, die der Abwehrschlacht auf der Halbinsel gedenken wollten. Sein Bericht machte deutlich, dass zwar die Alliierten „in luxuriösester, ja geradezu aufdringlicher Aufmachung das Kampfgelände mit Friedhöfen und Denkmälern, die sich sämtlich in tadellosen Zustand befinden, übersäht haben“[20], an türkischen Gräbern aber wäre, bis auf ein Grab eines türkischen Unteroffziers und eines „in trostlosem Zustand“[21] befindlichen türkischen Schlachtendenkmal, auch nichts zu sehen. Dieses war auch der übrigen Reisegesellschaft aufgefallen und man beschloß, in Zukunft „in sichtbarer Weise das Andenken der türkischen Gefallenen, die doch schließlich die Sieger waren, zu ehren.“[22] Nach Aussagen der örtlichen Gendarmen und einiger Einwohner wusste man von keinen deutschen Gräbern. Lediglich bei Maidos sollten angeblich noch einige deutsche Grabstellen vorhanden sein. Braun von Stumm schlug als Folgerung vor, zunächst eine türkischsprechende Vertrauensperson zu finden, die in der Lage wäre, alle alten Grabplätze zu identifizieren, dann für eine solide und sichtbare Einfriedung der Grabstellen zu sorgen und letztlich die örtlichen Behörden um Unterstützung zu ersuchen, um Grabschändungen zu unterbinden.

Ob die von Botschafter Nadolny in seinen eigenen Erinnerungen angesprochene Umbettung von Gallipoli nach Skutari tatsächlich stattgefunden hat “In Skutari befand sich ein weiterer deutscher Heldenfriedhof. Nachdem auch er in Ordnung gebracht war, ließ ich später die Gebeine der deutschen Soldaten, die an den Dardanellen gefallen waren und dort begraben waren, nach Skutari umbetten.”[23] , lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Vieles spricht jedoch dagegen, dass eine solche Aktion unter seiner Ägide durchgeführt wurde, da weder Namen noch Todesdaten der aus Skutari nach Tarabya umgebetteten Soldaten mit den bekannten Namen der Gefallenen von Gallipoli übereinstimmen.

Im Oktober 1931 unternahm der Kanzler der Deutschen Botschaft eine Fahrt nach Çanakkale, um dort den Zustand des Friedhofes bei Hamidiè zu begutachten und vor Ort einzuschätzen, ob es möglich wäre bei Kap Kephes ein Ehrenmal für die gefallenen deutschen Soldaten zu errichten. Der Friedhof wurde zwar als zerfallen, aber mit 361m² als groß genug eingeschätzt, um „für Umbettungen deutscher Soldaten aus dem umliegenden Gelände, soweit Überreste heute noch aufzufinden sind”[24]genutzt zu werden. Zu diesem Zeitpunkt waren dort nach wie vor vier deutsche und zwei türkische Soldaten bestattet – es handelte sich um den Friedhof der am 18. März 1915 in Hamidiè gefallenen Soldaten. Zur Frage eines Ehrenmals wurde aus Istanbul eine sehr pessimistische Einschätzung gegeben, die in ihrer Begründung bis heute Gültigültigkeit haben dürfte. Eine Genehmigung durch die Türkische Regierung für ein solches Denkmal würde kaum erteilt werden, „da die Widerstände gegen eine Beeinträchtigung der eigenen Heldentaten durch Errichtung eines sichtbaren Erinnerungszeichens an die deutsche Waffenhilfe sich bei den Türken kaum überwinden lassen werden.”[25] Daher wurde angeregt, den kleinen Friedhof bei Hamidiè „zu einer einzigen würdigen Erinnerungsstätte an die Beteiligung Deutschlands auf dem türkischen Kriegsschauplatz”[26] auszubauen und alle in diesem Kampfgebiet liegenden deutschen Gräber dorthin umzubetten. Somit hatte es zumindest bis zu diesem Zeitpunkt keine

Versuche gegeben, die Kriegsgräber auf Gallipoli zu bergen, bzw. zu pflegen, d.h. bis 1935 können demnach keine Umbettungen nach Istanbul stattgefunden haben. Diese Ideen scheinen zwar über die Jahre gedanklich weiterverfolgt aber nicht umgesetzt worden zu sein. Im Juni 1935 fand eine erneute Begutachtung des Friedhofes bei Hamidiè statt, dessen Zustand sich weiter verschlechtert hatte. Die im Politischen Archiv des AA vorliegenden Photographien zeigen, dass dort neben den vier bislang genannten Gräbern nun auch einige Grabsteine anderer deutscher Soldaten standen. Vermutlich waren deren Gräber aufgegeben worden und lediglich die Grabstelen nach Hamidiè versetzt worden. Mittlerweile hatte sich sogar die englische Kriegsgräberkommission bereit erklärt, „für eine würdige Ruhestätte der deutschen Soldaten”[27]Unterstützung zu leisten, was aber der türkischen Seite umgehend mitgeteilt wurde, um zu zeigen, dass eine solche Maßnahme „dem Geiste alter Waffenbrüderschaft” kaum entsprechen dürfte und deswegen nicht angenommen werden durfte.

Im November 1935 besuchten Mitarbeiter der Bauleitung des Volksbundes die Anlage in Tarabya, um Vorschläge für ein zentrales Denkmal für sämtliche Gefallenen in der Türkei zu entwickeln. Trotz vorbereitender Arbeiten wie Geländevermessung wurde dieses Vorhaben nicht umgesetzt. Statt dessen sollte von der Bauleitung ein Ausgestaltungsplan für Tarabya ausgearbeitet werden, um die Soldatengräber von den Dardanellen nach Istanbul zu verlegen. Die Idee zu dieser Zusammenführung bestand schon während des Krieges, was sich aus einer Äußerung bei Schweder schließen lässt, der 1916 schrieb: „Man geht sogar mit dem Gedanken um, später einmal alle Gebeine deutscher Offiziere und Mannschaften, die im Weltkriege auf osmanischen Boden fielen, hier zu vereinen, wo deutsche Erde sie deckt und deutsche Hände einheitlich ihre Gräber schmücken können, mögen sie von dem siegreich behaupteten Gallipoli, aus der Trojanerebene, von des Irak heißer Front, aus den Eisfeldern des Kaukasus oder dem Sinai herkommen. Der gleiche blaue Himmel wird sie grüßen, die gleiche tropische Blütenpracht des stillen Botschaftsgarten von Therapia ihre Hügel umkränzen, der gleiche leise Wellenschlag der Bosporusflut zu ihren Füßen sie träumen heißen.“[28]

Im Juli 1936 wurde endgültig beschlossen, deutscherseits den Friedhof bei Hamidiè aufzugeben und die sterblichen Überreste der deutschen Soldaten nach Tarabya umzubetten. Diese fand aber aus meiner heutigen Sicht nur für die Leichnahme von nicht mehr als sechs gefallenen deutschen Soldaten statt, die auf diesem kleinen Friedhof bestattet lagen.

 

Damit dürfte sicher sein, dass die Überreste der gefallenen deutschen Soldaten auf der Halbinsel und um Gallipoli heute noch liegen, die Gräber aber mittlerweile zur völligen Unkenntlichkeit verwittert sind. Mir ist heute nur die Grabstätte der Landungsabteilung auf dem Kilia Tepe genauer bekannt, auch wenn sie offensichtlich dem Bau eines Radarturms zum Opfer gefallen sein dürfte und heute vermutlich keine sterblichen Überreste mehr zu finden sind.

Das einzige deutsche Grab, das heute noch auf Gallipoli erhalten ist, wurde für die Krankenschwester Erika errichtet und liegt oberhalb eines türkischen Friedhofes südlich von Kumköy. Erika war mit dem türkischen Stabsarzt Ragip Bey verheiratet und arbeitete mit ihm zusammen in einem türkischen Lazarett. Bei einem Artillerieangriff am 26. September 1915 wurde sie durch einen Granatsplitter tödlich verletzt und ihr Mann ließ ihr eine Grabstätte aus Mamor nach moslemischerm Brauch errichten. Auf der Tafel steht geschrieben: „Während sie half verwundete türkische Soldaten zu versorgen, verlor die deutsche Krankenschwester Erika, Frau des Hauptmanns Ragip Bey, ihr Leben durch eine Granate. 26. September 1915“. Allerdings wurde diese Grabstätte im Jahr 2014 renoviert und diese Grabplatte ausgetauscht. Nun heisst es, dass dort eine Schwester "Refika" bestattet läge - und damit ist auch diese letzte deutsche Grabstätte verschwunden.

 

Abschließend sei noch angemerkt, dass es weder in Tarabya noch auf Gallipoli einen  Platz gibt, an dem explizit der deutschen Gefallenen in dieser Schlacht aus dem Ersten Weltkrieg gedacht wird. Es gibt immer noch zahllose Soldaten, insbesondere der gesunkenen BRESLAU, deren Namen außer auf der anliegenden Liste in Vergessenheit geraten sind. Dieses ist aus meiner Sicht und vor dem Hintergrund des 100-jährigen Gedenkens an die Schlacht von Gallipoli in 2015 nicht akzeptabel und sollte durch eine angemessene Weise einer Erinnerung nachgeholt werden.

 

 

 

 

[1] Mühlmann, Der Kampf um die Dardanellen, S. 164

 

[2] Kannengiesser, Gallipoli, S. 62

 

[3] Von Usedom, Bericht über die Kämpfe an den Dardanellen, S. 8

 

[4] Schweder, Im Türkischen Hauptquartier, S. 202 ff

 

[5] BA/MA, RM 40 / 440, Unterlagen Landungsabteilung

 

[6] Gunter Hartnagel stellte diesen Auszug freundlicherweise zur Verfügung

 

[7] Gebhard Bieg, Ein Grabstein für Deutsche Gefallene der Schlacht von Gallipoli im Depot der Troja-Grabung

 

[8] Schweder, Im Türkischen Hauptquartier, S. 115 und 160. Das Denkmal besteht heute nicht mehr, da es offensichtlich einer türkischen Radarstation weichen musste

 

[9] BA/MA, RM 40 / 440, Unterlagen Landungsabteilung

 

[10] Bean, Gallipoli Mission, S. 45

 

[11] AA/PA, Türkei 142, R 13333, Telegramm 2153, Botschafter an Auswärtiges Amt vom 23. September

 

[12] Aus der Sammlung von Rolf Bettaque, Reinbeck

 

[13] Akte Major Willmer, Zeitungsnotiz aus dem Osmanischen Lloyd, Bayrisches Kriegsarchiv

 

[14] Ebenda

 

[15] Selbiges wurde im Krankenbuchlager von Dr. Nobert Schwake abgelichtet und die Eintragungen transkribiert

 

[16] AA/PA, R 48065, Bericht Botschafter an Auswärtiges Amt vom 12. März 1925

 

[17] Totenliste aus den Unterlagen der Friedhofsverwaltung Tarabya vom 31. März 1937

 

[18] AA/PA, 1712, 23.09.1925, Bericht Deutsche Botschaft

 

[19] AA/PA, R 48065, Bericht  Botschafter an Auswärtiges Amt vom 23. September 1925

 

[20] AA/PA, R 48065, Bericht  Botschafter an Auswärtiges Amt vom 23. September 1925, Anlage

 

[21] Ebenda

 

[22] Ebenda

 

[23] Nadolny, Mein Beitrag, S. 93

 

[24] AA/PA, R 48066, Bericht Deutsche Botschaft an Auswärtiges Amt vom 15. April 1932

 

[25] Ebenda

 

[26] Ebenda

 

[27] AA/PA, R 48066, Bericht Deutsche Botschaft an Auswärtiges Amt vom 28. Juni 1935

 

[28] Schweder, Im Türkischen Hauptquartier, S. 243

Im Dezember 1915 waren in Gallipoli rund 1500 deutsche Soldaten aller Dienstgrade eingesetzt. Bei der Anafartagruppe waren 51 deutsche Offiziere mit rund 100 Unteroffizieren und Mannschaften, bei der Nordgruppe acht Deutsche, wobei sich die Mannschaftsstärke nicht mehr nachweisen läßt. Bei der Südgruppe taten rund 35 Offiziere Dienst[1]. Dazu sind allerdings noch die Soldaten der Militärmission in Istanbul, die Besatzungen der Schiffe der Mittelmeerdivision und des Marine-Sonderkommandos und noch eine große Zahl von zusätzlich in die Türkei kommandierten Spezialisten für die Waffen- und Munitionsherstellung, Ärzte und Personalersatz zu rechnen. Insgesamt dürften direkt an Gallipoli-Kämpfen zwischen 1000 und 1500 deutsche Soldaten direkt oder beteiligt gewesen sein, von denen vermutlich ca. 200 starben oder fielen, bzw. bis zu 750 verwundet wurden oder erkrankten. 

 

Mit dem Beginn der Kampfhandlungen an den Dardanellen waren auch die ersten deutschen Gefallenen zu beklagen. Bei der Beschießung der äußeren Dardanellenforts am 19. Februar 1915 fielen zwei deutsche Soldaten, wobei nur Leutnant z. S. Woermann namentlich genannt wurde; der andere deutsche Soldat blieb bis heute unbekannt. Da der Weg von der Halbinsel bis nach Istanbul zu weit für eine Überführung war, wurden die Gefallenen unmittelbar vor Ort bestattet. So geschah es auch mit Leutnant Woermann, dessen Beisetzung von Oberst Kannengiesser beschrieben wurde: „In der Batterie Orhanié ist der Leutnant z. S. Woermann gefallen. Unter türkischer Flagge, das Gesicht gegen Mekka, wird er von einem Hodscha begraben. Ein totes und doch sprechendes Zeugnis der deutsch-türkischen Waffenbrüderschaft.“[2] Bereits wenige Wochen später fielen am 18. März im Zuge des alliierten Flottenangriffs auf die Dardanellen vier deutsche Matrosen, die als Artilleriebesatzung im Fort Hamidié zusammen mit türkischen Soldaten eingesetzt waren. Über die eigenen Verluste dieses Tages schrieb von Admiral Usedom: „Trotz dieser bisher stärksten Beschießung waren die Verluste gering. Gefallen waren im ganzen 3 türkische Offiziere und 21 Mann, darunter die 3 deutschen, verwundet 1 deutscher und 1 türkischer Offizier, sowie 18 deutsche und 59 türkische Mannschaften [...] Noch am Abend wurden die Toten der deutschen Besatzung von Hamidie, 1 Unteroffizier, 2 Mann, begraben [...] Von den Verwundeten ist mittlerweile noch ein deutscher Unteroffizier gestorben.“[3]

Bei diesen Gefallenen handelte es sich um die Matrosen Paul Sommerfeld, Erich Schildhauer, August Brilla und Wilhelm Radau, die durch einen Artillerietreffer fielen, wobei Wilhelm Radau erst zwei Tage später seinen Verwundungen erlag. Die deutschen Matrosen wurden mit ihren gefallenen türkischen Kameraden in einer gemeinsamen Grabstätte beerdigt. Zunächst wurde diese durch ein Holzkreuz markiert, auf dem geschrieben stand: „Den Heldentod fürs Vaterland erlitten an dieser Statt am 18. März 1915“, dann die Namen sowie „Die Deutsche Besatzung“. Das Kreuz wurde ein Jahr später durch eine Mamorstele ersetzt. Dieser kleine Begräbnisplatz bei Hamidié war nach dem Krieg der einzig erhaltene und bekannte Friedhof um Gallipoli, auf dem deutsche Soldaten bestattet waren.

 

Über die erste Gedenkfeier am 18. März 1916 zu Ehren der im Fort Hamidié gefallenen Soldaten schrieb Kriegsberichterstatter Schweder: „Die erste ernste Feier des Jahrestages der gewaltigen Dardanellenschlacht gilt den Toten des 18. März. – Über eine sumpfige Wiese hinweg marschieren wir zur stillen Grabstätte am Fuße des Dardanos-Höhenzuges, wo vier deutsche und drei türkische Helden des denkwürdigen Tages ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Als ich die Gräber vor wenigen Wochen zum erstenmal sah, waren sie noch von einem geheimnisvollen Gitter umgeben, hinter dem deutsche und türkische Steinmetze in Uniform mit Hammer und Meißel schafften. Heute hatten daneben liebevolle Hände auch noch für Baum- und Blütenschmuck gesorgt und Frühlingsblumen sprossen sowohl aus dem deutschen wie auf dem türkischen Gemeinschaftsgrab. Auf beiden erhoben sich außerdem prächtige Mamorgrabmäler, deren Inschriften von den Namen und Taten dieser jüngsten Märzgefallenen erzählen. Zum erstenmal sahen wir Kreuz und Halbmond auf einem gemeinsamen deutsch-türkischen Friedhof [...] Und dann der knorrige Vizeadmiral aus dem fernen, deutschen Ostpreußen, der im Namen der ganzen Trauerversammlung zwei Kränze aus schlichten Zypressen- und Pinienzweigen an den beiden Gräbern niederlegte, in tiefer Bewegung der Seinen gedenkend, die er vor einem Jahr selbst mit in die kühle Erde betten half [...] Ringsum stand die deutsche und türkische Mannschaft der Dardanellenforts. Von einer schwarz-weiß ausgeschlagenen Feldkanzel herab gedachte zunächst Marinepfarrer Müller aus Wilhelmshaven, der eben erst vom Marinekorps in Flandern herübergekommen war und hier gemeinsam mit dem katholischen Amts- und Ordensbruder, dem bayrischen Pater Hironymos, die Seelsorge unter den deutschen Marinetruppen in der Türkei wahrnehmen soll, der Helden vom 18. März.[...] Die türkischen Soldaten erhoben die Hände zum Gebet, und die deutschen Kameraden folgten ihrem Beispiel, indem sie die Ellbogen an den Leib legten und die Hände nach oben öffneten. Nach Verlesung einiger Koranverse wies der Hodscha auf die innigen Beziehungen zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und dem türkischen Reiche hin, die die Gefallenen des 18. März mit ihrem Blute besiegelt hätten.[...] Eine gemeinsame Parade der beiden Truppenteile unter einheitlichem türkischen Kommando beschloß die Feier im Fort, in dessen bescheidener Messe sich später die Kombattanten des 18. März zum fröhlichen Mahle zusammenfanden.“ [4]

 

Mit der alliierten Landung am 25. April 1915 wurden deutsche Soldaten auch in direkte Kämpfe zu Lande verwickelt, wobei vor allem die Landungsabteilung der Mittelmeerdivision mit ihren zwei Maschinengewehrzügen, die ab dem 3. Mai im Süden der Halbinsel eingesetzt waren, die größten Verluste erlitt[5]. Auch diese Gefallenen mussten zunächst direkt auf dem Schlachtfeld in schlichten Grabstätten bestattet werden, sofern man überhaupt die Leichname bergen konnte. Schon am ersten Tag ihres Einsatzes fielen am 3. Mai die Ober-Matrosen Gerhard Prüntges und Werner Dathe im Bereich des Kerewisdere bei der Abwehr des französischen Angriffs. Am 4. Mai fiel der Artillerie-Matrose Reinhold Drechsler und zwei Tage später starb an den Folgen eines Kopfschusses der Ober-Matrose Hinrich Kutnik. Am 4. Juni fielen die Matrosen Johann Haase und Gerhard Flesner sowie die Ober-Matrosen Eduard Gorzelski und Paul Hoheisel der Landungsabteilung bei Sigindere durch Artillerietreffer und wurden vermutlich in zwei Doppelgräbern bestattet.

Am 9. Juni 1915 fielen der Feuerwerker Robert Lass und der Matrose Paul Schirrmacher bei Kumkale. Zu deren Schicksal gibt der Auszug aus dem Tagebuch von Hauptmann Haentjens, Batterieführer der Aleman-Batterie (8,8 SK Batterie Goeben, mglw.  auch „Usedom-Batterie“). Die 12 cm Haubitzbatterie wurde von Hauptmann Haspi geführt. Beide Batterien befanden sich im Intepe-Bereich, wo es heute noch eine Gedenkstätte der Gefallenen gibt.  

 

„9.6.15. Mittwoch

Wetter: klar, heiß. Wind N. 3-4. Schlafe unter Eiche beim Beobacht.Stand.

1) 46 Schuß  5.15 – 6.20 a.m. auf Kolonnen zwischen 2. u. 3. Pfeiler u. Zelt u. Proviantlager (Notizbucheintrag: links Sidil-Bar). Gute Erfolge.

6.20 a.m., werden von 15 cm-Haubitzen beschossen, 8 Schuß, teils +, teils -. Dicht bei Batterie. 

2) 6.40 a.m. Feuer eröffnet auf Kolonnen beim 3. Pfeiler 4 Schuß. (Notizbucheintrag: 83 hm). Werden dann von neuem beschossen, unter Fliegerbeobachtung.

7.10 Treffer dicht hinter dem Laufgang zwischen 2. u. 3. Geschütz. Telephon nach Stand unterbrochen. Giese meldet, daß 4 Mann verschüttet, davon Feuerwerker Laß, Matrose Schirrmacher u. 2 türk. Unteroffiziere. Stürze mit Feuerwerker Gößel in die Batterie. Laß wird gerade ausgegraben, lebt, bei Bewußtsein, aber schwer gequetscht, stirbt nach 2 Std. im türk. Verbandsplatz. Schirrmacher kann nicht nach 20 Min. geborgen werden, da unter schwerem Wurzelwerk einer Eiche liegt; tot. Die 2 Türken ebenfalls. Beim Bergen schlägt eine zweite Minengranate dicht hinter Batterie ein.

3) 4.30 – 4.39 p.m. 3 Schuß auf Hissarlik Haubitzen.

4) 6.10 – 6.15 p.m. 2 Schuß auf Boote hinter Brückendampfer.

5) 6.55 – 7.05 p.m. 10 Schuß auf Hissarlik-Haubitzen.

7.15 – 7.30 wieder 8 Granaten auf Stellung II geworfen, da Feind annimmt, daß wir inzwischen umgezogen.

7 h p.m. Die Deutschen neben den Türken unter einer Eiche hinter der 12 cm-Kanonen-Batt. bestattet. 3 Ehrenfahnen, hieran beteiligen sich auch die türk. Off. u. Mannschaften.”[6]

 

Die Gräber der beiden gefallenen Deutschen wurden zunächst mit Holzkreuzen markiert, die später durch eine Steinstele ersetzt wurden, welche aber später an anderer Stelle aufgefunden wurde. Durch einen Zufall wurde der Grabstein an der Straße von Kumkale nach Çanakkale – etwa 200-300 m vom ostwärtigen Ortsende des Dorfes Kumkale entfernt – von einem Bauern unter Zypressen gefunden und 1993 der Troja-Grabung überlassen, wo er sich bis heute im dortigen Grabungshaus befindet[7].

Warum die Stele von der Gedenkstätte Intepe verschwunden ist, bleibt ungeklärt. Es kann sein, dass man diesen deutschen Grabstein zum jetzigen Design der Gedenkstätte als nicht passend empfand und deswegen ihn deswegen von der heutigen Grabstätte entfernte.

 

Während am 28. Juni bei den schweren Gefechten an der Südfront bei Kirthe der Ober-Matrose Peter Brückers fiel, wurden Teile der Landungsabteilung am 6. August an die Anafarta-Front verlegt, um dort die Verteidigung gegen die Landung an der Suvla-Bucht zu unterstützen. Am 8. August fiel der Zugführer des dortigen Maschinengewehrzuges, Leutnant z. S. d. Res. Oskar Hildebrandt auf dem Kocaçimen Tepe. Er wurde zunächst in einem nahen Tal, dem Denisdere beerdigt, aber später auf den Friedhof der Landungsabteilung auf dem Kilia Tepe umgebettet. Ebenfalls starben an diesem Tag die Matrosen Matthias Dank, der auf dem Ismailoğlu Tepe bestattet wurde, sowie Fritz Klaus, der zunächst im Kurtdere beerdigt wurde. Am 10. August erlag der Ober-Matrose Ernst Buchmüller seinen Verwundungen. Vermutlich wurden auch diese Soldaten später auf den Kilia Tepe umgebettet. Dort hatte sich die Landungsabteilung sowohl ein festes Quartier als auch einen eigenen Friedhof errichtet. Während die Steinbauten der Unterkünfte auf einem Plateau am Südhang des rund 130 m hohen Berges gelegen waren, hatte man den Friedhof direkt auf der Bergkuppe platziert.

Schweder, der 1916 das Schlachtfeld besuchte, schrieb über diesen Friedhof: „Schon heute, wo die Siegesfahnen über Gallipoli und den Meerengen wehen, erhebt sich auf der beherrschenden Höhe von Kilia-Tepe ein mächtiges Grabdenkmal für eine Anzahl deutscher Mitkämpfer in der Dauerschlacht von Gallipoli [...] Auf dem höchsten Punkte des Berges ruhen die Helden unseres Marinekorps, die in den Kämpfen bei Ari-Burnu, Anaforta und Sedd-ul-Bahr gefallen und von ihren Kameraden hier oben im Angesichte einer der schönsten Landschaften der Welt beigesetzt worden sind. Ich sah die Gräber des Leutnants zur See Hildebrandt, von vier Obermatrosen, einem Marinefeldwebel und zwei Matrosen, die in der Zeit von Juli bis Ende 1915 geblieben sind. Zu ihren Häupten erhebt sich ein mächtiger Granitsockel, auf dem ein alter Schiffsanker steht. Die Maschinengewehrabteilung hat ihn ebenso wie ein paar Dutzend gewichtiger alter Steinkugeln aus türkischen Geschützen den Berg heraufgeschleppt, um den toten Kameraden für alle Zeiten ein bleibendes Denkmal zu schaffen. Still und friedlich ist es rund um den letzten Ruheplatz der blauen Jungen.“ [8]

 

Gegen Ende 1915 fanden nur noch sporadische Kämpfe auf Gallipoli statt und von der Landungsabteilung, die in zwei Departements aufgeteilt bei Ariburnu und beim Kireç Tepe eingesetzt war, fiel am 7. September der Ober-Matrose Wilhelm Peters. Peters war am 4. Juni aus britischer Gefangenschaft entkommen, indem er seinen Bewacher zu Boden stieß, dann zwei Tage in einem Granattrichter ausharrte und bei der Rückkehr halbverdurstet zu den eigenen Reihen fast erschossen wurde. Er wurde ebenfalls auf dem Kilia Tepe bestattet. Am 17. Oktober starb der Ober-Matrose Christian Rathert der Landungsabteilung an Typhus und wurde auf dem Friedhof der Landungsabteilung beerdigt. Am 8. November fiel der Ober-Matrose Hinrich Kaufhold und wurde ebenso wie die Matrosen Wilfried Hecht, gefallen am 12. Dezember und Emil Reinicke, gefallen am 29. Dezember auf dem Soldatenfriedhof auf dem Kilia Tepe, bestattet[9].

Aus der Verlustliste der Landungsabteilung sind für den Zeitraum 3. Mai bis 29. Dezember 1915 insgesamt 32 Gefallene dokumentiert, von denen aber offensichtlich nur wenige auf dem Kilia Tepe ihre letzte Ruhe fanden. Vermutlich sind aber die Toten der Landungsabteilung insgesamt auf eher 50 bis 60 zu schätzen, da noch etliche Soldaten an ihren Erkrankungen in den Krankenhäusern in Istanbul verstarben. Dr. Hiltmann, der als Arzt bei der Landungsabteilung eingesetzt war, schrieb: "Die Gefallenen der Landungsabteilung wurden fast immer aus den Stellungen in die Lager zurückgebracht und, wenn eben möglich, nach Kilia Tepe transportiert, wo wir einen deutschen Marinefriedhof angelegt hatten. Eine Anzahl der in den Maikämpfen an der Südspitze und in der Augustschlacht an der Suvlabucht Gefallenen konnte nicht mehr aufgefunden werden und ist entweder mitsamt den Maschinengewehren von englischen Schiffsgranaten verschüttet oder von türkischen Soldaten an Ort und Stelle bestattet worden. Wir haben nie etwas davon erfahren. Meist waren es ganze Bedienmannschaften eines Maschinengewehrs, von denen keiner wiederkehrte. 

Die Zersetzung der Leichen ging in dem trockenenn Erdboden sehr schnell vor sich. Ich habe im Januar 1916 mehrfach Exhumierungen vorgenommen, um die Reste gefallener Matrosen und auch eines gefallenen Offiziers von der Front nach Kilia Tepe zu überführen. Es handelte sich um Kameraden, die im August und September 1915 gefallen waren. Von den in Zeltbahnen bestatteten Leichen, die in kiesdurchsetztem Lehmboden an Hügelhängen in etwas 3/4 m Tiefe lagen, waren nur noch die Knochen vorhanden und ganz geringe eingetrocknete und völlig geruchlose Weichteilreste der Kopfhaut und Beckenmuskulatur."

 

Bei der Freiwilligen Pionierkompanie, die ab Juli 1915 auf Gallipoli eingesetzt war, sind keine genauen Verlustzahlen bekannt. Diese Kompanie, die vor allem für den Stellungs- und Minenkampf als komplette, freiwillige Einheit in Deutschland zusammengestellt worden war, hatte innerhalb kurzer Zeit hohe Ausfälle, allerdings offensichtlich überwiegend durch Krankheit. Von Verlusten dieser Einheit gibt es den Hinweis, dass es 1919 beim „Alten türkischen Hospital bei Cham Burnu“ einen türkischen Friedhof mit einigen deutschen Grabstätten gegeben hätte, die mit Kreuzen für drei „deutsche Pioniere“ gekennzeichnet worden waren[10], sowie den Pionier Bierwagen, der am 20. August 1915 an seinen am selben Tag erlittenen Verwundungen im Lazarett von Agadere verstorben war.

Die Pionierkompanie hatte ein eigenes Feldlager ähnlich dem der Landungsabteilung, dessen Ort allerdings nicht mehr genau festzustellen ist. Dort hat es auch einen eigenen Soldatenfriedhof gegeben. Adolf Horaczek schrieb dazu in seinen Erinnerungen: "Unser Friedhof lag direkt beim Lager auf einer kleinen Anhöhe. Der Feldwebel, ein gelernter Zimmermann, fertigte jedem Gefallenen ein schönes Holzkreuz. Die letzten Worte unseres Majors lauteten bei jeder Beerdigung: „Wo gehobelt wird, da fallen Spähne.""

In einer Verlustliste vom 23. September 1915 waren drei Gefallene und zwei an Krankheit verstorbene Pioniere gemeldet worden[11]. Insgesamt dürften aber die Zahl der Toten der Pionierkompanie um die 30 bis 40 gelegen haben.

 

Am 7. Mai 1916 fiel Torpedier Rudolf Lothar Bettaque im Alter von 26 Jahren, der noch am 4. Mai 1916 eine Feldpostkarte an seine Ehefrau geschrieben hatte: „Für das Weihnachstpaket, das ich gestern erhalten habe, besten Dank. Ganz schön (…) ist´s nicht mehr hier unten; aber es lässt sich noch ertragen.(Rudi).“[12] Bettaque war u.a. an der Verlegung der Minensperre am 7./8. März 1915 durch die NUSRET beteiligt.

 

Vermutlich einer der letzten Gefallenen auf Gallipoli war der Luftfahrzeugführer Offizierstellvertreter Kurt Haaring. Anfang August starteten er und Emil Meinike nach einer Alarmierung vom Flugfeld in Çanakkale. Beide wurden in Luftkämpfe verwickelt. Während Meinike seinen Gegener abschütteln konnte, erlitt Haaring einen Bauchschuss. Er konnte zwar noch sicher landen, verstarb aber am 17. August 1918 an seiner Verwundung. Er war, nach heutiger Kenntnis, der einzige Gefallene der Fliegerstaffel 1. In welchem Lazarett er behandelt und wo er bestattet wurde, ist nicht bekannt.

Dieses wirft insgesamt die Frage nach der sanitätsdienstlichen Versorgung in Gallipoli von deutscher Seite auf. Aus einem Bericht über eine Reitjagd im November 1915[13] heißt es: „In liebenswürdiger und freigebigster Weise  hatte Graf Hochberg hier Erfrischungen bereitgestellt“, bzw. in einem anderen Artikel zum gleichen Thema: „Doch an den Windmühlen haben die Rote-Kreuz-Schwestern der Jagdgesellschaft eine Überraschung bereitet“.[14] Mit Graf Hochberg war der Leiter der Rote-Kreuz-Expedition auch „Hochberg-Mission“ gemeint, die zunächst auf Gallipoli und später beim Feldzug in Palästina im Einsatz war. Ebenso weist die Unterschrift das Bildes, das im Herbst 1915 aufgenommen sein soll, dass dieses Lazarett bereits in 1915 in Betrieb war. Bevor man das Lazarett in festen Unterkünften unterbringen konnte, wurden Zelte benutzt. Dieses geht aus einem kurzen Filmsport hervor, der tituliert ist: „Feldlager der deutschen Expedition des Roten Kreuzes auf Gallipoli“.

 

Erstaunlicherweise sind zwei der Hauptkrankenbücher des Feldlazaretts von Bighali[15] erhalten, auch wenn der Teil von leider 1915 fehlt. Somit können nur die Eintragungen von Februar 1916 bis  31.10.1918 nachvollzogen werden. In dem Teil von 1915 sind vermutlich die Masse der deutschen Verluste notiert, insbesondere der Pionierkompanie. Aber auch der erhaltene, spätere Teil ist sehr aufschlussreich und bestätigt, dass es bei dem Lazarett einen eigenen Friedhof gegeben hat. In dem nachvollziehbaren Zeitraum starben jedoch keine deutschen Soldaten, sondern ca. 40 türkische Soldaten, die nach Eintrag im Krankenbuch: „Das Grab befindet sich auf dem Berge vor dem Lazarett, nach Osten zu das 2. Grab.” Später schrieb man: “Das Grab befindet sich vor dem Lazarett auf dem Berge.” Dann: “Grab mit Namensschild versehen befindet sich auf dem Berge nahe dem Lazarett (Laz.-Friedhof).” Oder: “Grab mit Namenstafel versehen befindet sich auf dem Lazarettfriedhofe Bigalli, Dardanellen.“ Letztere wird vermutlich an anderer Stelle und möglicherweise direkt an den Dardanellen gelegen haben. So hatte auch das türkische Hauptlazarett in Yalova einen großen Friedhof nahe der Dardanellen, der erst 2013 wieder entdeckt und als Gedenkstätte markiert wurde. Dort sollen bis zu 700 Tote liegen.

Bei den über 1200 Patienten in Bighali handelte es sich überwiegend um türkische Soldaten mit den verschiedensten Krankheitsfällen aber kaum Verwundungen. Weiterhin kann man feststellen, dass die deutschen Ärzte und Schwestern offensichtlich auch dem einfachsten türischen Soldaten die gleiche Behandlung zukommen liessen, was ein beredtes Beispiel der deutsch-türkischen Zusammenarbeit war.

Die deutschen Einheiten verfügten zudem über eigenes Sanitätspersonal und Sanitätseinrichtung, so beispielsweise die Landungsabteilung, die Pionierkompanie und das Sonderkommando. Allerdings war auch hier immer wieder Personal- und Materialersatz erforderlich wie aus einem Telegramm der Botschaft vom 23.9.1915 hervorgeht, in welchem auch die hohen Ausfälle der Pionierkompanie angesprochen werden.

Über die verbliebenen Grabstätten bei Gallipoli und deren Zustand gibt es keine übereinstimmenden Dokumente mehr. Offensichtlich erfolgte während des Krieges keine genaue Registrierung, da die unterschiedlichen Kommandos, wie das Sonderkommando, die Landungsabteilung oder die Pionierkompanie unterschiedliche Sammelgrabstellen hatten und auch teilweise Einzelgräber deutscher Soldaten existierten. Dort, wo für die Gräber später keine Mamorstelen mit Inschriften gefertigt worden waren, verwitterten die Holzkreuze und die Gräber im Laufe der Zeit und konnten keinem bestimmten Soldaten mehr zugeordnet werden bis sie schließlich gänzlich in Vergessenheit gerieten. Aus einem Schreiben von Botschafter Nadolny, der 1925 um eine Bestandsaufnahme aller in der Türkei befindlichen deutschen Kriegsgräber bemüht war, geht hervor, dass im Bezirk Çanakkale insgesamt 17 deutsche Soldaten begraben wären, davon sechs in der Nähe des Forts Hamidié, vier in Topçamlar, einer in Chevketié, zwei in Najakçeşme bei Çatkaltepe. Ein Soldat wäre bei Sairid und 18 deutsche Soldaten im Bezirk Kiliana bei Maydos nahe vom Ali Bey Tchiflik beerdigt[16]. In einer späteren Zusammenstellung aller Grabstellen um Gallipoli, die aus einer Zusammenstellung von Akten des Volksbundes von 1920 bis 1944 erfolgte, wurden die folgenden Gräber genannt: zwei in Agadere, eines in Anafarta, 15 bei Gallipoli, 16 bei Hamidiè, fünf auf Imbros, fünf auf dem Kilia Tepe, zwei bei Krithia, eines bei Chevketié, 24 bei Seddil Bahr, vier bei Çalkaltepe, eines bei Çurşumköy, zwei östlich Kumkale und vier bei Topçamlar[17].  Somit waren insgesamt 82 Gräber an 13 verschiedenen Orten um Gallipoli bekannt. Wenn man jedoch die heute bekannten Grabstätten und die dort bestatteten deutschen Soldaten zusammenfasst, kommt man auf eine Zahl von mindestens 130. Ein weiterer Hinweis stammt aus einem Bericht vom 23.9.1925, in welchem es heißt: “Lediglich bei Maidos, in der Mitte der Halbinsel, liegen, wie mir von verschiedenen Seiten versichert wurde, eine Anzahl von Gräbern”. [18] Diese Bezeichnung kann sich mit der o.a. bei “Maydos nahe vom Ali Bey Tchiflik” decken. Dieser Ort ist aber derzeit nicht mehr bestimmbar.

 

Diese so völlig unterschiedlichen Angaben zeigen die fehlende Kenntnisse über die Grabstätten, deren Lage auch auf keinen Karten genau verzeichnet worden waren. Die Anzahl der dort vermuteten Toten stimmt ebenso wenig mit den heutigen Informationen überein, wie auch die meisten der Namen schon in den ersten Jahren nach dem Krieg verloren gegangen sein müssen. Diesen Umstand erkannte Botschafter Nadolny bereits 1925 sehr deutlich und forderte daher die Entsendung eines Beauftragten, „um beizeiten der drohenden völligen Verwischung der Spuren unserer Kriegerfriedhöfe vorzubeugen“ und „Berichte über die Lage und den – meist trostlosen – Zustand der über das ganze Land zerstreut liegenden Friedhöfe zu erhalten.“[19] Um die Gräberanlagen um Gallipoli begutachten zu lassen, ließ Nadolny den Gesandtschaftsrat Braun von Stumm an einer Reise von türkischen Offizieren und Politikern teilnehmen, die der Abwehrschlacht auf der Halbinsel gedenken wollten. Sein Bericht machte deutlich, dass zwar die Alliierten „in luxuriösester, ja geradezu aufdringlicher Aufmachung das Kampfgelände mit Friedhöfen und Denkmälern, die sich sämtlich in tadellosen Zustand befinden, übersäht haben“[20], an türkischen Gräbern aber wäre, bis auf ein Grab eines türkischen Unteroffziers und eines „in trostlosem Zustand“[21] befindlichen türkischen Schlachtendenkmal, auch nichts zu sehen. Dieses war auch der übrigen Reisegesellschaft aufgefallen und man beschloß, in Zukunft „in sichtbarer Weise das Andenken der türkischen Gefallenen, die doch schließlich die Sieger waren, zu ehren.“[22] Nach Aussagen der örtlichen Gendarmen und einiger Einwohner wusste man von keinen deutschen Gräbern. Lediglich bei Maidos sollten angeblich noch einige deutsche Grabstellen vorhanden sein. Braun von Stumm schlug als Folgerung vor, zunächst eine türkischsprechende Vertrauensperson zu finden, die in der Lage wäre, alle alten Grabplätze zu identifizieren, dann für eine solide und sichtbare Einfriedung der Grabstellen zu sorgen und letztlich die örtlichen Behörden um Unterstützung zu ersuchen, um Grabschändungen zu unterbinden.

Ob die von Botschafter Nadolny in seinen eigenen Erinnerungen angesprochene Umbettung von Gallipoli nach Skutari tatsächlich stattgefunden hat “In Skutari befand sich ein weiterer deutscher Heldenfriedhof. Nachdem auch er in Ordnung gebracht war, ließ ich später die Gebeine der deutschen Soldaten, die an den Dardanellen gefallen waren und dort begraben waren, nach Skutari umbetten.”[23] , lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Vieles spricht jedoch dagegen, dass eine solche Aktion unter seiner Ägide durchgeführt wurde, da weder Namen noch Todesdaten der aus Skutari nach Tarabya umgebetteten Soldaten mit den bekannten Namen der Gefallenen von Gallipoli übereinstimmen.

Im Oktober 1931 unternahm der Kanzler der Deutschen Botschaft eine Fahrt nach Çanakkale, um dort den Zustand des Friedhofes bei Hamidiè zu begutachten und vor Ort einzuschätzen, ob es möglich wäre bei Kap Kephes ein Ehrenmal für die gefallenen deutschen Soldaten zu errichten. Der Friedhof wurde zwar als zerfallen, aber mit 361m² als groß genug eingeschätzt, um „für Umbettungen deutscher Soldaten aus dem umliegenden Gelände, soweit Überreste heute noch aufzufinden sind”[24]genutzt zu werden. Zu diesem Zeitpunkt waren dort nach wie vor vier deutsche und zwei türkische Soldaten bestattet – es handelte sich um den Friedhof der am 18. März 1915 in Hamidiè gefallenen Soldaten. Zur Frage eines Ehrenmals wurde aus Istanbul eine sehr pessimistische Einschätzung gegeben, die in ihrer Begründung bis heute Gültigültigkeit haben dürfte. Eine Genehmigung durch die Türkische Regierung für ein solches Denkmal würde kaum erteilt werden, „da die Widerstände gegen eine Beeinträchtigung der eigenen Heldentaten durch Errichtung eines sichtbaren Erinnerungszeichens an die deutsche Waffenhilfe sich bei den Türken kaum überwinden lassen werden.”[25] Daher wurde angeregt, den kleinen Friedhof bei Hamidiè „zu einer einzigen würdigen Erinnerungsstätte an die Beteiligung Deutschlands auf dem türkischen Kriegsschauplatz”[26] auszubauen und alle in diesem Kampfgebiet liegenden deutschen Gräber dorthin umzubetten. Somit hatte es zumindest bis zu diesem Zeitpunkt keine

Versuche gegeben, die Kriegsgräber auf Gallipoli zu bergen, bzw. zu pflegen, d.h. bis 1935 können demnach keine Umbettungen nach Istanbul stattgefunden haben. Diese Ideen scheinen zwar über die Jahre gedanklich weiterverfolgt aber nicht umgesetzt worden zu sein. Im Juni 1935 fand eine erneute Begutachtung des Friedhofes bei Hamidiè statt, dessen Zustand sich weiter verschlechtert hatte. Die im Politischen Archiv des AA vorliegenden Photographien zeigen, dass dort neben den vier bislang genannten Gräbern nun auch einige Grabsteine anderer deutscher Soldaten standen. Vermutlich waren deren Gräber aufgegeben worden und lediglich die Grabstelen nach Hamidiè versetzt worden. Mittlerweile hatte sich sogar die englische Kriegsgräberkommission bereit erklärt, „für eine würdige Ruhestätte der deutschen Soldaten”[27]Unterstützung zu leisten, was aber der türkischen Seite umgehend mitgeteilt wurde, um zu zeigen, dass eine solche Maßnahme „dem Geiste alter Waffenbrüderschaft” kaum entsprechen dürfte und deswegen nicht angenommen werden durfte.

Im November 1935 besuchten Mitarbeiter der Bauleitung des Volksbundes die Anlage in Tarabya, um Vorschläge für ein zentrales Denkmal für sämtliche Gefallenen in der Türkei zu entwickeln. Trotz vorbereitender Arbeiten wie Geländevermessung wurde dieses Vorhaben nicht umgesetzt. Statt dessen sollte von der Bauleitung ein Ausgestaltungsplan für Tarabya ausgearbeitet werden, um die Soldatengräber von den Dardanellen nach Istanbul zu verlegen. Die Idee zu dieser Zusammenführung bestand schon während des Krieges, was sich aus einer Äußerung bei Schweder schließen lässt, der 1916 schrieb: „Man geht sogar mit dem Gedanken um, später einmal alle Gebeine deutscher Offiziere und Mannschaften, die im Weltkriege auf osmanischen Boden fielen, hier zu vereinen, wo deutsche Erde sie deckt und deutsche Hände einheitlich ihre Gräber schmücken können, mögen sie von dem siegreich behaupteten Gallipoli, aus der Trojanerebene, von des Irak heißer Front, aus den Eisfeldern des Kaukasus oder dem Sinai herkommen. Der gleiche blaue Himmel wird sie grüßen, die gleiche tropische Blütenpracht des stillen Botschaftsgarten von Therapia ihre Hügel umkränzen, der gleiche leise Wellenschlag der Bosporusflut zu ihren Füßen sie träumen heißen.“[28]

Im Juli 1936 wurde endgültig beschlossen, deutscherseits den Friedhof bei Hamidiè aufzugeben und die sterblichen Überreste der deutschen Soldaten nach Tarabya umzubetten. Diese fand aber aus meiner heutigen Sicht nur für die Leichnahme von nicht mehr als sechs gefallenen deutschen Soldaten statt, die auf diesem kleinen Friedhof bestattet lagen.

 

Damit dürfte sicher sein, dass die Überreste der gefallenen deutschen Soldaten auf der Halbinsel und um Gallipoli heute noch liegen, die Gräber aber mittlerweile zur völligen Unkenntlichkeit verwittert sind. Mir ist heute nur die Grabstätte der Landungsabteilung auf dem Kilia Tepe genauer bekannt, auch wenn sie offensichtlich dem Bau eines Radarturms zum Opfer gefallen sein dürfte und heute vermutlich keine sterblichen Überreste mehr zu finden sind.

Das einzige deutsche Grab, das heute noch auf Gallipoli erhalten ist, wurde für die Krankenschwester Erika errichtet und liegt oberhalb eines türkischen Friedhofes südlich von Kumköy. Erika war mit dem türkischen Stabsarzt Ragip Bey verheiratet und arbeitete mit ihm zusammen in einem türkischen Lazarett. Bei einem Artillerieangriff am 26. September 1915 wurde sie durch einen Granatsplitter tödlich verletzt und ihr Mann ließ ihr eine Grabstätte aus Mamor nach moslemischerm Brauch errichten. Auf der Tafel steht geschrieben: „Während sie half verwundete türkische Soldaten zu versorgen, verlor die deutsche Krankenschwester Erika, Frau des Hauptmanns Ragip Bey, ihr Leben durch eine Granate. 26. September 1915“. Allerdings wurde diese Grabstätte im Jahr 2014 renoviert und diese Grabplatte ausgetauscht. Nun heisst es, dass dort eine Schwester "Refika" bestattet läge - und damit ist auch diese letzte deutsche Grabstätte verschwunden.

 

Abschließend sei noch angemerkt, dass es weder in Tarabya noch auf Gallipoli einen  Platz gibt, an dem explizit der deutschen Gefallenen in dieser Schlacht aus dem Ersten Weltkrieg gedacht wird. Es gibt immer noch zahllose Soldaten, insbesondere der gesunkenen BRESLAU, deren Namen außer auf der anliegenden Liste in Vergessenheit geraten sind. Dieses ist aus meiner Sicht und vor dem Hintergrund des 100-jährigen Gedenkens an die Schlacht von Gallipoli in 2015 nicht akzeptabel und sollte durch eine angemessene Weise einer Erinnerung nachgeholt werden.

 

 

 

 

[1] Mühlmann, Der Kampf um die Dardanellen, S. 164

 

[2] Kannengiesser, Gallipoli, S. 62

 

[3] Von Usedom, Bericht über die Kämpfe an den Dardanellen, S. 8

 

[4] Schweder, Im Türkischen Hauptquartier, S. 202 ff

 

[5] BA/MA, RM 40 / 440, Unterlagen Landungsabteilung

 

[6] Gunter Hartnagel stellte diesen Auszug freundlicherweise zur Verfügung

 

[7] Gebhard Bieg, Ein Grabstein für Deutsche Gefallene der Schlacht von Gallipoli im Depot der Troja-Grabung

 

[8] Schweder, Im Türkischen Hauptquartier, S. 115 und 160. Das Denkmal besteht heute nicht mehr, da es offensichtlich einer türkischen Radarstation weichen musste

 

[9] BA/MA, RM 40 / 440, Unterlagen Landungsabteilung

 

[10] Bean, Gallipoli Mission, S. 45

 

[11] AA/PA, Türkei 142, R 13333, Telegramm 2153, Botschafter an Auswärtiges Amt vom 23. September

 

[12] Aus der Sammlung von Rolf Bettaque, Reinbeck

 

[13] Akte Major Willmer, Zeitungsnotiz aus dem Osmanischen Lloyd, Bayrisches Kriegsarchiv

 

[14] Ebenda

 

[15] Selbiges wurde im Krankenbuchlager von Dr. Nobert Schwake abgelichtet und die Eintragungen transkribiert

 

[16] AA/PA, R 48065, Bericht Botschafter an Auswärtiges Amt vom 12. März 1925

 

[17] Totenliste aus den Unterlagen der Friedhofsverwaltung Tarabya vom 31. März 1937

 

[18] AA/PA, 1712, 23.09.1925, Bericht Deutsche Botschaft

 

[19] AA/PA, R 48065, Bericht  Botschafter an Auswärtiges Amt vom 23. September 1925

 

[20] AA/PA, R 48065, Bericht  Botschafter an Auswärtiges Amt vom 23. September 1925, Anlage

 

[21] Ebenda

 

[22] Ebenda

 

[23] Nadolny, Mein Beitrag, S. 93

 

[24] AA/PA, R 48066, Bericht Deutsche Botschaft an Auswärtiges Amt vom 15. April 1932

 

[25] Ebenda

 

[26] Ebenda

 

[27] AA/PA, R 48066, Bericht Deutsche Botschaft an Auswärtiges Amt vom 28. Juni 1935

 

[28] Schweder, Im Türkischen Hauptquartier, S. 243

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Ich hatt’ einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
Im gleichen Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen,
Gilt sie mir oder gilt sie dir?
Ihn hat sie weggerissen,
Er liegt zu meinen Füßen,
Als wär’s ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew’gen Leben
Mein guter Kamerad!

 

Das Lied entstand 1809 unter dem Eindruck des Einsatzes badischer Truppen unter französischem Befehl gegen aufständische Tiroler, wobei Uhland zu beiden Seiten Beziehungen hatte. Obwohl das Gedicht schon vertont war, änderte Friedrich Silcher ein Schweizer Volkslied dafür ab und schuf damit die noch heute bekannte Version.

Das Lied vom guten Kameraden spielt im Trauerzeremoniell der deutschen Bundeswehr eine große Rolle. Es ist Bestandteil eines Begräbnisses mit militärischen Ehren und jeder militärischen Trauerfeier. Auch im österreichischen Bundesheer und bei der österreichischen Polizei ist die Tradition dieses Liedes bei militärischen bzw. polizeilichen Trauerfeierlichkeiten übernommen worden. Beim Spielen des Liedes ist von Soldaten der militärische Gruß zu erweisen, diese besondere Ehrerweisung steht ansonsten nur Nationalhymnen zu. Es wird in Deutschland oft amVolkstrauertag an Gefallenendenkmälern gespielt, ebenso im Deutschen Bundestag im Rahmen der Feierstunde.