Leutnant z. S. Werner Kraft

 

Die gesundheitlichen Probleme lagen für viele Deutsche in der ungewohnten Ernährung und den bisweilen mangelhaften hygienischen Bedingungen in Istanbul. Ein besonderes Krankheitsbild bei den Heizern der Schiffsbesatzungen war die Lungenentzündung, die sich sich durch den Kohlenstaub, Rauch und die Abkühlung unter den Lüftungsschächten in den Pausen oft als chronische Erkrankung entwickelte und auch tödlich enden konnte. Auch traten häufig Typhus und Dysenterie auf, einige Male gab es auch Cholera-Erkrankungen. Zudem waren einige der höheren Offiziere nicht mehr jung und damit besonders anfällig für derartige Erkrankungen, wie die folgende Bemerkung von Admiral von Usedom über Admiral Merten in Berichten an den Kaiser zeigten: „Vizeadmiral Merten hat sich am 28. Juni krank gemeldet und im deutschen Krankenhaus in Konstantinopel Aufenhalt gefunden. Ob er so weit wieder hergestellt werden kann, dass er seinen hiesigen Posten zu uebernehmen imstande ist, erscheint mir zweifelhaft.“[1] Und anderer Stelle schrieb von Usedom mit ähnlich hämischen Unterton: „Trotz geringer Widerstandsfaehigkeit gegen die klimatischen Einfluesse und häufige Dysenterie Erkrankung hat er es mit zaeher Energie und unermütlichem Eifer in zweijaehriger Arbeit verstanden, die tuerkischen Offiziere und Besatzungen zur Mitarbeit und zu gesteigerten Leistungen anzueifern.“[2]

 

Leutnant z.S. Werner Kraft war auf der Halbinsel Gallipoli als Führer eines Maschinengewehr Detachement eingesetzt; gehörte also zur Marine-Landungsabteilung. Dort erkrankte er, wie auch etliche andere Kameraden an Typhus.

 

Bisweilen war die optimistische Selbsteinschätzung deutscher ärztlicher Kunst fehlbar, wie der Wortlaut eines Telegrammes am 6. November 1915 zeigte: „Leutnant Kraft an Unterleibs-Typhus schwer erkrankt – Zustand infolge drohender Darm-Perforation ernst. Beste Pflege vorhanden. Chefarzt Schleip deutsches Krankenhaus.“[3] Leutnant Kraft starb noch am gleichen Tag und die Geschichte der Bemühungen seines Vaters, Vizeadmiral Hugo Kraft (1866 – 1925) aus Wilhelmshaven, um die Überführung des Leichnams seines Sohnes in die Heimat mag verdeutlichen, dass selbst beste dienstliche Beziehungen nicht immer zum Erfolg führten. Sie zeigt aber auch, wie schmerzhaft es für die Familien gewesen sein musste, Angehörige fern der Heimat in Istanbul bestattet zu wissen. Nachdem Admiral Souchon noch am 6. November persönlich sein Beileid an die Familie telegraphiert hatte, vermutlich kannte er den Vater gut, versuchten die Eltern mit allen Mitteln den Verstorbenen nach Deutschland überführen zu lassen. „Telegramm Nr. 550 für Mittelmeer Division, 7. November 1915: Admiral Kraft telegraphiert: Erbitte sofortige Überführung Leiche meines Sohnes von Konstantinopel nach Hamburg veranlassen – trage alle Kosten.’ – ‚Telegramm an Admiralstab Berlin, 7. November 1915: Leutnant zur See Kraft 6. November an Typhus gestorben.’- ‚Telegramm Nr. 559 für Mittelmeer Division, 8. November 1915: Konteradmiral Kraft bittet Sarg mit Leiche seines Sohnes an Schenker u. Sohn Spedition des Reichsmarineamt adressieren. Erbitte Drahtantwort ob Überführung möglich sein wird. Admiralstab’ – ‚Telegramm an Admiralstab Berlin, 10. November 1915: Überführung Leiche vorläufig ausgeschlossen - wird einbalsamiert zwecks späterer Überführung. Divisionschef, gez. Humann.’“[4]

 

Offensichtlich konnte dem Wunsche der Eltern nicht entsprochen werden, da Leutnant Kraft auf dem Soldatenfriedhof in Tarabya bestattet wurde und dort noch heute begraben liegt.

Vizedmiral a.D. Kraft, nach dem Kriege pensioniert, versuchte nun endlich seine Idee umzusetzen und seinen Sohn Werner nach Hause zu überführen. Botschafter Nadolny schrieb dazu: “Einmal erschien bei mir ein Vater aus Deutschland, um die Leiche seines Sohnes zu exhumieren und nach Deutschland zu überführen. Wir gingen zusammen auf den Friedhof. Als der Vater am Grabe seines Sohnes stand und dann nach dem Bosporus hinüberblickte, sagte er nach einer Weile des Schweigens: ‘Nein, ich lasse ihn hier. So schön wie hier bei seinen Kameraden kann er es zu Hause nicht haben.’”[5]

 

 

 

[1] BA/MA, RM 5 / 2404, Bericht Admiral von Usedom, 20. Juli 1915

 

[2] BA/MA, RM 5 / 2405, Bericht Admiral von Usedom, 20. November 1916

 

[3] BA/MA, RM 5 / 2358

 

[4] BA/MA, RM 5 / 2358

 

[5] Nadolny, Mein Beitrag, S. 93

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