Der Kampf um die Dardanellen

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Bereits am 3. November 1914 hatten die Alliierten einen ersten Angriff auf die Einfahrt der Dardanellen unternommen – offensichtlich jedoch eher in der Absicht, die Verteidigungsfähigkeit zu prüfen bzw. Anlagen zu beschädigen und nicht um einen Durchbruch zu versuchen. Oberstleutant Wehrle berichtete darüber: „Am 3. früh 7 Uhr lagen 10 englische und französische Linienschiffe in 2 Halbkreisen vor dem Eingang der Meerenge und beschossen aus 16 000m Entfernung aus einer Stellung, wohin kein türkisches Geschütz wirken konnte, die beiden Werke Kumkale und Seddilbahr. Aus dem leichten Morgendunst blitzen immerfort die Mündungsfeuer auf, die Werke sind in Rauch und Staub gehüllt, aus dem ununterbrochenen Flammengarben emporspritzen. Nach einer halben Stunde hebt sich über Seddilbahr eine ungeheure weiße Rauchwolke, die minutenlang in der Luft steht. Ein schwerer Donner schlägt ans Ohr. Die Schiffe drehen ab und verschwinden im Dunst. Das war der Anfang, aber ein schlechter Anfang. Durch eine unbegreifliche Schlamperei waren im Schutzhohlraum einer Küstenbatterie hunderte von Zentnern alten Schwarzpulvers aufgestapelt geblieben. Der Raum wurde von einer Granate durchschlagen und die ganze Batterie mit 5 Offizieren und 60 Mann flog in die Luft.“[i] Nach diesem Angriff blieb es jedoch in den folgenden Wochen an den Dardanellen ruhig. Das gab der türkischen Seite Zeit, sich weiter auf die Verteidigung vorzubereiten. Oberstleutnant Wehrle, dem Mitte Dezember ein zusätzliches türkisches Artillerie-Bataillon zum Schutz der Beşika-Bucht unterstellt worden war, hatte mit diesem Truppenteil zunächst grundlegende Ausbildung zu verrichten: „Bei seinem Anblick drehte sich einem das Herz im Leibe herum und selbst meine türkischen Batteriechefs, die doch manches gewohnt waren, blieben sprachlos vor diesem Haufen militärischen Elends. Das Bataillon wurde festgehalten und 2 Tage darauf verwendet, Ordnung und Haltung hineinzubringen. Zunächst kam alles in die Entlausungsanstalt, die in einer Bäckerei eingerichtet war. Dann wurden Offiziere und Unteroffiziere des Haubitzregiments dazwischen gesteckt, Material und Ausrüstung nachgesehen, fehlendes festgestellt und bei der Kommandantur angefordert. 14 Tage später wurde das Bataillon von Marschall Liman v. Sanders in seiner Feuerstellung besucht. Der Zufall wollte, daß gerade in der Zeit, als wir in einer der Batterien standen, ein Zerstörer sich der Küste näherte. Der Marschall gab den Befehl zu feuern. Die Batterie hatte in ihrem Leben noch keinen scharfen Schuß abgegeben. Ich sufflierte dem Batterieführer, sah die Richtung nach, und der erste Schuß in der Nähe des Zieles veranlasst das Boot, abzudrehen. Die Batterie wurde belobt und war sehr stolz.Tags darauf erschien ein französischer Kreuzer und bedankte sich mit 60 schweren Geschossen, die er aber nicht gegen die Batterie, sondern gegen eine 200 m entfernte Düne, die ich in der Nacht mit Baumstämmen als Scheinstellungen hatte einrichten lassen, verfeuerte.“[ii]Währenddessen ergingen neue Hilferufe aus Istanbul nach Berlin. Am 30. Dezember meldete Botschafter von Wangenheim, dass bei noch längerer räumlicher Isolierung der Türkei „der Moment sich voraussehen ließe, wo die türkische Aktionskraft und –lust aufhören werden.“ Am 4. Januar 1915 erhielt von Falkenhayn Kenntnis von einer Besprechung der in Istanbul stationierten Generale und Admirale über die Munitionslage der Türkei, die zu der Feststellung geführt hatte, dass selbst bei sparsamsten Verbrauch „die Munition für Heer und Marine im äußersten Fall bis Mitte März reichen werde.“ Der für die Verteidigung der Dardanellen verantwortliche Admiral von Usedom hatte darüber hinaus erklärt, dass „er für die Widerstandsfähigkeit der Dardanellen bei einem ersten Angriff einstehe, daß er aber dieselbe Garantie füe einen wiederholten Angriff nicht übernehmen könne.“ [iii]Obwohl Churchill ab November 1914 die Frage der Öffnung der Dardanellen im Zusammenhang einer neuen strategischen Offensive aus dem Süden erörtert hatte, um damit Rumänien, Bulgarien und vielleicht auch Griechenland als Bündnispartner zu gewinnen, wurde diese Planung mangels verfügbarer Kräfte zunächst nicht weiter verfolgt. Erst Anfang Januar 1915 wurden auf ein russisches Ersuchen, das eine Entlastung der Kaukasusfront wünschte, die Planungen in London wieder aufgenommen. Da jedoch der britische Kriegsminister Lord Kitchener keine Truppen für die Front im Orient abgeben wollte, wurde der Befehlshaber der britischen Mittelmeerflotte, Vizeadmiral Carden, gefragt, wie diese Aufgabe zu lösen wäre. Dieser antwortete am 5. Januar, dass er die Dardanellen zwar nicht handstreichartig, aber in einer großen und planmässigen Operation allein durch die Flotte nehmen könne. Diese Stellungnahme bildete die Grundlage für die Entscheidung des britischen Kriegsrats am 28. Januar 1915, die einen Angriff der Dardanellen als eine alleinige Flottenaktion empfahl[iv]. Die Vorbereitungen für diesen Angriff nahmen mehrere Wochen in Anspruch. Mitte Februar glaubte man, angriffsbereit zu sein. Am 19. Januar war Russland von der geplanten Operation in Kenntnis gesetzt worden und in London wurde erwartet, dass mit der Forcierung des Dardanellen-Unternehmens Russland gleichzeitig einen Flottenangriff auf den Bosporus bzw. eine Landung an der türkischen Schwarzmeerküste durchführte. Dieses wurde jedoch aus Moskau mit Hinweis auf fehlende Kräfte abgelehnt.Die vor den Dardanellen liegende Flotte der Alliierten war mittlerweile bedeutend verstärkt worden. Zu den 16 großen englischen Panzerschlachtschiffen und Kreuzern kamen im Januar vier französische Schlachtschiffe und der russische Kreuzer Askold hinzu, so dass sich vor den Dardanellen mindestens 21 große Kriegsschiffe befanden. Zunächst beschränkte sich die alliierte Flotte darauf, den Eingang der Dardanellen unter dauernder Beobachtung zu halten. Ab Mitte Januar 1915 verdichteten sich die Anzeichen, dass die Westmächte einen Angriff auf die Meerengen beabsichtigten. Am 15. Januar 1915 durchbrach ein französisches U-Boot ein Drahtnetz, das zum Schutz durch die Dardanellen gespannt worden war. Durch das beherzte Eingreifen von Oberleutnant z. S. Prinz Reuß, der mit einem kleinen Schiff in Richtung des U-Bootes fuhr und Wasserbomben werfen ließ, wurde es bei Nagara zum Auftauchen gezwungen und durch die Küstenbatterien beschossen. Der österreichische Militärbevollmächtigte in der Türkei, Feldmarschalleutnant J. Pomiankowski, berichtete davon: „Als kurz darauf ein feindliches Unterseeboot auftauchte, wurde es sogleich beschossen und schwer havariert, so daß dem Kommandanten nichts übrig blieb, als sich zu ergeben. Die Besatzung wurde gefangengenommen, das Boot aber – es war das französische U-Boot Saphir – nach Konstantinopel geschleppt, wo ich Gelegenheit hatte es zu besichtigen. Saphir gehörte einem ganz veralteten Typus an, war überdies sehr vernachlässigt. Deutsche Marineoffiziere sagten mir, daß in der deutschen Flotte Boote dieses Typus schon längst nicht mehr existierten.“[v]Beginnend vom 2. Februar begannen einzelne alliierte Schiffe, die äußeren Befestigungsanlagen zu bekämpfen. Am 19. Februar beschoss die englisch-französische Flotte mit zwölf Kriegsschiffen erneut die äusseren Befestigungswerke der Dardanellen. Admiral von Usedom beschrieb dies ausführlich und gab damit auch ein Beispiel über die Führungsleistung der eingesetzten deutschen Soldaten: „Die Franzosen setzten ihre schwere Artillerie ein, die Engländer bald darauf ihre Mittelartillerie, so daß jetzt in Zwischenräumen von 3 Minuten Breitseitsalven gegen alle 4 Forts erfolgten. Die Batterien wurden stark eingedeckt; so waren deutlich Treffer im Forthof von Seddulbahr und in der Batterie Kumkale auszumachen. In Fort Orhanie lagen die Sprengwolken dicht vor den Traversen. Die Schiffe näherten sich den Forts immer mehr. Anscheinend glaubten sie, die Batterien vollständig erledigt zu haben. Dadurch wurde jetzt Orhanie und Ertogrul die Möglichkeit gegeben, um 4h 45Mn. einzugreifen. Im selben Moment setzte ein Höllenfeuer ein, an dem sich nunmehr alle Schiffe zu beteiligen schienen. In Abständen von 40 Sekunden folgte Salve auf Salve. Zeitweise waren die Forts vollkommen durch schwarze Sprengwolken verdeckt. Trotzdem feuerten Orhanie und Ertugrul weiter. Gegen 6h Nm. brach der Feind das Bombardement ab. Der Batteriekommandeur von Orhanie, Leutnant zur See Woermann, sowie der türkische Dolmetscher und Telephonist, die sich in dem zweiten Beobachtungsstand der Batterie befunden hatten, waren durch 2 – 15 cm Granaten um 4h 10 Nm. getötet worden, nachdem sie infolge eines Treffers gerade vorher gezwungen worden waren, den ersten Beobachtungsstand zu räumen. Der Vizefeuerwerker Joerss, der mit den Leuten außerhalb der Batterie lag, hat darauf die Stelle des gefallenen Batteriekommandeurs eingenommen. Da die Telephonleitung zerstört war, stand er in keinerlei Verbindung mit den anderen Werken mehr. Er hat selbständig, als das zweite feindliche Schiff von links in die Peilung einlief, das Feuer auf eine Entfernung von 44 hm eröffnet. Daraufhin drehte der Engländer sofort nach B.B., um die Schussweite zu vergrößern.“[vi] Die Verluste dieses Angriffs betrugen auf türkischer Seite insgesamt vier Tote, darunter zwei Deutsche und neun Verwundete. Oberstleutnant Kannengiesser schrieb über diesen Angriff: „Der erste Angriff am 19. Februar 1915 galt den am Eingang gelegenen äußeren Forts bei Seddil Bahr und Kumkale, die aus weiter Entfernung beschossen, unter einem dichten Hagel von Granaten, von Rauch, Staub und Splittern verschwanden. Flieger leiteten das Feuer. Was sollten dagegen die über 30 Jahre alten Geschütze mit ganz unmoderner Reichweite und Wirkung machen? Als Carden mit einbrechender Dunkelheit seine Schiffe zurückzieht, ist der Verlust an Menschen und Material unbedeutend.“[vii] Die Zerstörungen waren im Verhältniss zu den geschätzt 800 bis 1000 abgegebenen Schüssen der alliierten Schiffsartillerie als gering einzuschätzen. In Kumkale war langfristig nur ein 28-cm-Geschütz ausser Gefecht gesetzt worden, während das Fort Seddil Bahr stärkere Beschädigungen erlitten hatte. Zur Vorbereitung des Durchbruchs und auch von Landungsunternehen wurden die Forts bei Kumkale und Seddil Bahr nun fast täglich systematisch beschossen. Es gelang den vorgeschobenen türkischen Infanterietruppen jedoch, mit Unterstützung der Feldartillerie, die bisweilen am Tage operierendenden kleineren alliierten Landungsabteilungen, die versuchten in den Forts die Geschützrohre und Munitionsräume zu sprengen, abzuwehren. Am 25. Februar unternahm die Flotte einen weiteren Angriff gegen die Aussenforts, die nach einem siebenstündigen Gefecht fast vollständig zerstört wurden.Diese ersten Erkenntnisse der alliierten Flotte und die nur geringen sichtbaren Erfolge führten zu neuen operativen Planungen auf britischer Seite. Man erinnerte sich nun auch an die Erfahrungen des englischen Flottendurchbruchs bei den Dardanellen 1807, bei dem der Nachschub für die Flotte nach der Einfahrt in das Marmarameer durch türkische Truppen beiderseits der Dardanellen unterbrochen werden konnte. So sollten nun auch Landtruppen in die Planung einbezogen werden, um die Ufer nach dem Durchbruch zu sichern. Die grundsätzliche Entscheidung dafür fiel am 16. Februar 1915, aber erst am 10. März wurde die Gesamtstärke des Expeditionskorps festgelegt: vier englische und eine französische Division. Die genaue operative Aufgabe für dieses Korps war jedoch noch nicht bestimmt worden. Sie sollte sich nach dem Ausgang der Flottenoperation richten, an der weiter festgehalten wurde. Somit gab es immer noch keine gemeinsame oder gleichzeitige Operationsplanung für den Einsatz von See- und Landstreitkräften auf alliierter Seite[viii].Trotz der bislang nur begrenzten Erfolge der Entente hatten die Angriffe der Flotte bei den Dardanellen große Besorgnis in Istanbul ausgelöst. Obwohl die Türkei bereits seit einem Vierteljahr Bündnispartner geworden war, konnten immer noch keine Lieferungen aus Deutschland dorthin befördert werden und vor dem Hintergrund des unmittelbar erwarteten Angriffs auf die Dardanellen wuchs die Unruhe. Am 1. März schrieb Enver an von Falkenhayn, dass die Lage ernst wäre, da die alliierte Flotte die Befestigungen planmässig niederkämpfen und sich damit die Durchfahrt erzwingen wollte.

Die nun beginnende Bekämpfung der inneren Verteidigungswerke machte allerdings nur geringe Fortschritte. Die Flotte musste hierzu in die Dardanellen einlaufen und büßte hierdurch Bewegungsfreiheit und damit passiven Schutz ein. Zur Gefährdung durch die Geschütze der Verteidigungswerke und die Seeminen kam für die Angreifer noch die Bedrohung durch die beweglichen 15-cm-Haubitz-Batterien an beiden Ufern; die Schiffe waren dadurch gezwungen, in schneller Bewegung zu bleiben – worunter wiederum ihre Treffgenauigkeit litt. So gelang ihnen weder das Bekämpfen der türkischen Batterien noch die Beseitigung der zahlreichen Minensperren. Am 5. März wurden die Batterien bei Kilid Bahr, der gegenüberliegende Seite von Çanak, durch indirektes Feuer beschossen. Dieser Angriff wurde durch indirektes Feuer seitens der türkischen Linienschiffe BARBAROSSA und TORGUT erwidert. Dazu hatte sich in Erwartung dieser Kämpfe der deutsche Kommandant der BARBAROSSA, Korvettenkapitän von Arnim, bereits an Land begeben und einen Beobachtungsposten zur Feuerleitung auf den Anhöhen der südlichen Halbinsel eingerichtet. Dieser geriet zwar später unter Beschuß, da man sich durch die Nutzung von Signalmunition verraten hatte, aber nach einem Stellungswechsel konnten die türkischen Schiffe weiter durch wirksames Feuer unterstützen. In den Folgetagen wurden diese Beobachtungsposten erweitert, vermessen und mit Fernsprechanlagen verbunden. Am 7. März vormittags fuhren vier große englische Kriegsschiffe in die Bucht von Karanlyk ein und begannen Dardanos sowie die Innenforts zu beschießen. Gleichzeitig nahm die Queen Elizabeth von Kaba Tepe aus die Forts unter Feuer, während französische Kriegsschiffe vom Golf von Saros auf die Befestigungen bei Bulair schossen. Die englischen Kriegsschiffe schoben sich im Innern der Meerenge näher an die Forts heran, so dass sie aber auch in die Wirkungsbereiche der türkischen schweren Geschütze kamen. Die Schiffsartillerie schoss zwar in schneller Folge, aber die Kriegsschiffe zogen sich nach weniger als einer Stunde wegen der heftigen Gegenwehr wieder zurück, ohne selbst nennenswerte Schäden erzielt zu haben. Während der Beschießung erkannte man, dass sich die alliierten Schiffe meist in der Bucht von Erenköy aufhielten, in der sie weitgehend außerhalb des Wirkungsbereiches der Festungsartillerie lagen. Immer wieder hatten die 15-cm-Haubitzen unter der Führung von Oberstleutnant Wehrle mit der für damals gewaltigen Menge von 800 Granaten die in die Dardanellen vorgehenden feindlichen Kriegsschiffe unter Feuer genommen, sie in Bewegung gehalten und sie somit zur „Munitionsverschwendung“[ix] gezwungen.Auch wenn nachts ganze Flottillen von Booten unter der Deckung kleinerer Einheiten und Torpedozerstörer versuchten, die Seeminensperren zu räumen, wurden durch die türkische Seite immer wieder neue Minen verlegt. Eine besondere Minensperre, die in den erkannten Wendekreis der zurückfahrenden alliierten Kriegsschiffe gelegt wurde, sollte eine entscheidende Bedeutung erlangen. Die Planung dazu übernahm der Chef des Minendienstes an den Dardanellen, Major Nazim Emin, der über ausgezeichnete Kenntnisse der Stömungs- und Tiefenverhältnisse verfügte. Von der Küsteninspektion überstellte das Kommando der Flotte den Minenleger NUSRET für diese Aufgabe, während Marineoberingenieur Reeder an Bord das Sonderkommando vertrat. Über das Unternehmen, das einen wesentlichen Anteil am Scheitern des alliierten Angriffs vom 18. März 1915 beitrug, berichtete Reeder an die MMD: „Am 7. März, 11 Uhr 30 Minuten nachmittags, begab ich mich mit dem türkischen Minenkapitän Hafis Nasimi und dem deutschen Torpeder Bettaque an Bord des Minenlegers NUSRET, um die zum Minenlegen notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Während ich noch einmal selbst die gesamte Maschinenanlage revidierte und anschließend die Kessel zur rauchlosen Fahrt herrichten ließ, machte der Torpeder Bettaque[x] mit dem türkischen Minenpersonal die Minen klar zum Werfen. Für das Bedienen der Maschinen und Kessel standen mir noch ja zwei deutsche Unteroffiziere und Heizer zur Verfügung. Hierdurch war Gewähr gegeben, dass meine Befehle schnell und richtig ausgeführt wurden. Gegen 5 Uhr morgens ließ ich Anker lichten. Das Wetter war der Unternehmung günstig. Ein leichter Nebel lag auf dem Wasser, der sich allmählich in einen dünnen Landregen umwandelte. Mit durchschnittlich 140 Umdrehungen schlängerte sich der Minenleger von Nagara aus an der asiatischen Küste entlang. Da es noch dunkel war und mehrere Minensperren passiert werden mussten, war größte Vorsicht geboten. Der türkische Minenkapitän kannte jedoch die kritischen Punkte genau, und so gelangte NUSRET wohlbehalten an den Bestimmungsort. Während der ganzen Fahrt wurden die Umdrehungen nach meinen Befehlen gehalten. Dadurch ist es mir gelungen, vollständig rauchlos zu fahren, obgleich die türkische Eregikohle für diesen Zweck sehr wenig geeignet ist. Um 7 Uhr 10 Minuten ließ ich drehen und, heimwärtsfahrend, gleichzeitig die Minen durch den türkischen Minenkapitän Hafis Nasimi in Abständen von 15 Sekunden werfen. Im ganzen wurden 26 Minen geworfen, und zwar in ungefährer Richtung SW-NO. Inzwischen begann bereits der Morgen zu grauen. Die feindlichen Bewacher hatten sich anscheinend schon zurückgezogen; innerhalb der Dardanellen war kein feindliches Schiff mehr zu erblicken. Die Sichtigkeit nach Tschanak zu war durch den inzwischen eingetretenen Regen und den dunklen Hintergrund nur sehr gering. Mit ziemlicher Bestimmtheit kann ich daher annehmen, dass das Legen der Minen vom Feinde nicht bemerkt worden ist. Um 8 Uhr vormittags konnte ich wieder vor Tschanak ankern.“[xi] Diese Minenreihe aus den zusätzlich aus Deutschland gelieferten 26 Carbonit-Minen blieb bis zum Angriff am 18. März unentdeckt. Churchill schrieb später, dass „die NUSRET die Welt verändert hätte“, da durch diese Minen der Traum zerbrach, Istanbul zu erreichen. Jedoch wird heute dieses Beispiel effektiver Zusammenarbeit von Soldaten beider Nationen von türkischer Seite leider verschwiegen und die erfolgreiche Operation lediglich der türkischen Besatzung zugeschrieben.Die Angriffe auf die Dardanellen durch die alliierte Flotte sowie die Räumung der Minensperren war somit weitaus weniger erfolgreich, als man auf alliierter Seite annahm. Trotzdem wurden in Istanbul Gerüchte laut, dass ein erfolgreicher Angriff der Entente unmittelbar bevorstand, was Unruhe und teilweise auch Panik in der Stadt verursachte. Daraufhin wurde eine offizielle Besichtigung der Befestigungsanlagen für das diplomatische Corps organisiert. Der k. u. k. Militärattaché Pomiankowski berichtete über diese Fahrt: „Wir verließen Konstantantinopel am 14. März früh. Soweit ich beurteilen konnte, hatte Enver Pascha diesen Ausflug hauptsächlich für den amerikanischen Botschafter Herrn Morgenthau veranstaltet, welcher im diplomatischen Korps die alarmierendsten Gerüchte über die hoffnungslose Lage der Türkei und das demnächstigste Erscheinen der englisch-französischen Flotte vor Istanbul verbreitete [...] Das größte Interesse erregte die Batterie Dardanos, so benannt nach den auf derselben Höhe noch sichtbaren Resten der gleichnamigen Stadt des Altertums. Diese Batterie befand sich am Oberteil der weithin sichtbaren Höhe, bestand aus einer einen Meter hohen Erdbrustwehr gewöhnlicher Art, hinter der Kanonen derart placiert waren, dass die Rohre knapp über die Kammlinie schießen konnten. Zum Schutz der Bedienmannschaft waren dieselben mit kleinen Stahlschutzschilden versehen. Auf diese Batterie hatten die feindlichen Schiffe (besonders am 7. März) bereits gegen tausend Schuss abgegeben, ohne dieselbe irgendwie zu beschädigen; dagegen waren das ganze Vorfeld, sowie auch der vordere Teil der Brustwehr von Geschossen förmlich aufgeackert und durchwühlt. An den Schutzschilden bemerkte man bloß zwei Einkerbungen, welche offenbar von eingeschlagenen Sprengstücken herrührten. Die Bedienmannschaften der Geschütze hatte gar keine Verluste erlitten, dagegen war am 7. März eine Granate in den etwa 15 Schritte entfernten Beobachtungsstand des Batteriekommandanten eingedrungen und hatte denselben, samt einigen bei ihm befindlichen Soldaten getötet. Nachmittags besichtigten wir die Forts der europäischen Seite, begaben uns dann wieder an Bord der Jürük, welche am Abend die Rückreise antrat und am 16. vormittags in Istanbul eintraf.“[xii] Am 18. März begann der alliierte Großangriff, der den Durchbruch durch die Dardanellen erzwingen sollte. Zehn große Kriegsschiffe, begleitet von vielen Torpedobooten und Minensuchern, näherten sich dem Eingang der Dardanellen. Sie nahmen eine zweigliedrige Schlachtordnung ein. Die Annäherung war aber bereits am frühen Morgen des gleichen Tages während des ersten Fluges der neuen Fliegerstaffel bei Çanakkale entdeckt worden. Hauptmann Serno hatte zusammen mit Kapitänleutnant Karl Schneider, dem 2. Generalstabsoffizier in Usedoms Hauptquartier, einen Aufklärungsflug unternommen. Sie erspähten dabei die angreifende Flotte und gaben unmittelbar danach einen Bericht über den offensichtlich bevorstehenden Angriff ab. Schneider berichtete über diesen Flug: „Früh am Morgen stiegen wir in die Höhe [...] Wir flogen in 1600 Meter Höhe. Die Maschine schaffte nicht mehr. Wir stellten fest, dass wir gerade über das alte Troja geflogen waren. Bei Tenedos zählten wir leicht vierzig Schiffe vor Anker liegend. Es waren alle Typen vertreten [...] Jetzt fuhren sechs Schlachtschiffe in Linie in Richtung des Mündung der Dardanellen. Der Panzerkreuzer Inflexible führte mit der gehissten Admiralsflagge.“[xiii] Beide wussten, was diese Ansammlung von Schiffen bedeutete und flogen sofort zurück, um den bevorstehenden Angriff zu melden. Somit konnten die Küstenbatterien und Artilleriestellungen, soweit in der Kürze der Zeit noch erreichbar, vorgewarnt werden.Sechs große englische Schlachtschiffe, darunter die QUEEN ELIZABETH mit ihren 38-cm-Geschützen, nahmen gegen 11.30 vormittags – zunächst außerhalb der Reichweite der Forts bleibend – die Verteidigungsanlagen bei Çanakkale und Kap Kephes unter Beschuss. Die türkischen Küstenbatterien und die mobilen Artillerieeinheiten erwiderten das Feuer auch auf das einlaufende französische Geschwader, das aus vier Schlachtschiffen bestand und gegen 12.00 Uhr die Linie der englischen Kriegsschiffe passierte. Alle Schlachtschiffe kamen nun näher an die Ziele heran – aber damit auch in die Reichweite der verteidigenden Artillerie. Gegen 14.00 Uhr wurde das mittlerweile stark in Mitleidenschaft gezogene französische Geschwader gegen einen Verband aus sechs älteren britischen Schlachtschiffen ausgetauscht. Die Schlacht nahm für die Alliierten eine unerwartete Wendung, als gegen 14.00 Uhr das französische Schlachtschiff BOUVET auf eine Mine lief, innerhalb von nur zwei Minuten kenterte und dabei fast die gesamte Besatzung von 600 Mann mit sich in die Tiefe riss. Auch die anderen französischen Schiffe wurden teilweise schwer beschädigt und liefen zurück; die GAULOIS wurde durch Artillerie und einen Minentreffer schwer beschädigt und musste bei Tenedos auf Land gesetzt werden. Gegen 16.00 Uhr lief die INFLEXIBLE auf eine Mine und konnte nur mit letzter Kraft aus der Reichweite der Küstenartillerie in sichere Gewässer entkommen. Nur kurze Zeit später traf es die IRRESISTIBLE, die so schwer getroffen wurde, dass auch sie aufgegeben werden musste und gegen Abend sank. Diese schweren Verluste ließen den alliierten Flottenchef gegen 17.00 Uhr den Angriff abbrechen. Beim Versuch, die IRRESISTIBLE ins Schlepptau zu nehmen, lief auch noch die OCEAN auf eine Mine und musste später ebenfalls aufgegeben werden. Die restlichen neun englischen Kriegsschiffe verließen in schneller Fahrt die Dardanellen gen Westen[xiv]. Der 18. März 1915 wurde damit der unvergessene Siegestag der Dardanellenverteidung und wird noch heute jedes Jahr in der Türkei – vor allem in den Streitkräften – als „Çanakkale-Tag“ gefeiert. Die Angreifer hatten hohe Verluste hinnehmen müssen und die Initiative verloren, während die Verteidiger verhältnismäßig geringe Opfer zu verzeichnen hatten. Admiral Souchon schrieb über diesen Tag nach Hause: „Der gestrige starke Angriff der Engländer und Franzosen auf die Dardanellen hat mit einem schönen Erfolg für uns geendet. Darüber hier große Siegesfreude. Das franz. Linienschiff BOUVET lief auf eine der erst am 6. März gelegten Minen, sank sofort. Das engl. Linienschiff IRRESISTIBLE blieb zusammengeschossen, bewegungsunfähig liegen, das engl. Linienschiff OCEAN hat mit schwerer Schlagseite und langsamer Fahrt noch davonkommen können. Ein Zerstörer gesunken. Dem steht auf türk. Seite ein minimaler Verlust entgegen. Im Ganzen sind 2 schwere Geschütze beschädigt, von uns Deutschen 2 tot, 7 schwer, 7 leicht verwundet. Hoffentlich kommen die Engländer heute noch mal und erleiden wieder solche Verluste. Wenn sie wirklich Erfolg haben wollen, müssten sie es tun, ehe alle Beschädigungen der Erdwerke, Telefone usw wieder ganz hergestellt sind. Notdürftig ist das natürlich schon heute Morgen wieder der Fall.“[xv]Wie sich später herausstellte, waren die Verluste zu einem erheblichen Teil durch die am 8. März verlegte Minensperre erzielt worden. Die alliierte Flotte hatte diese Stelle als bereits geräumt gewähnt. Zudam hatte es in den Tagen vor dem 18. März ausnahmsweise keine Minenzwischenfälle im Bereich dieser Sperre gegeben. Allerdings ist nicht klar, ob tatsächlich alle an diesem Tag gesunkenen Schiffe ausschließlich durch Minentreffer versenkt wurden. Von Usedom schrieb in seinem Bericht dazu: „Als ‚Bouvet’ gegen 2 Uhr in Sicht des Beobachtungsstandes des Hauptquartiers kam, wurde eine starke Rauchentwicklung und Schlagseite wahrgenommen, die immer größer wurde. 3 Minuten später sank ‚Bouvet’. Aus der Schnelligkeit des Sinkens wurde gefolgert, dass er auf eine der am 8. März in der Aren-Koi-Bucht gelegten Minen gelaufen sei, zumal er sich auch in der Längspeilung der Sperre befand. Aus späteren Meldungen der vorgeschobenen Beobachter und des die Haubitzbatterien auf dem europäischen Ufer kommandierenden Oberstleutnants Wehrle ging aber mit Sicherheit hervor, dass das Schiff noch östlich der Sperre seine schweren Beschädigungen durch Artilleriefeuer von Fort Anatoli Hamidie erlitten hatte, durch die das schnelle Sinken hervorgerufen worden war. Auch aus dem Verhalten der anderen Schiffe kann gefolgert werden, dass der Gegner selbst nicht mit der Anwesenheit von Minen gerechnet hatte, denn ‚Triumph’, ‚Majestic’, ‚Suffren’, ‚Gaulois’ und ‚Charlemagne’ hielten auf die Unfallstelle zu. ‚Suffren’ setzte ein Boot aus. Motorboote, Zerstörer und später einige Minenräumfahrzeuge versuchten, die Überlebenden aufzufischen. Dabei sank ein Zerstörer im Feuer der Haubitzbatterien, sowie einige Zeit später ein Minenräumer [...] Während dieser Zeit hatte Dardanos seine Geschütze wieder klar bekommen und eröffnete gegen 6 Uhr abends ein lebhaftes und wirkungsvolles Feuer gegen ‚Irresistible’, die um 7,15 Uhr abends zum Sinken gebracht wurde.“[xvi] Dieser Bericht relativiert einerseits die bisweilen etwas hochstilisierte Leistung und Wirkung der durch die NUSRET verlegten Minensperre, zeigt aber andererseits auch das Ausmaß dieser erbarmungslosen Schlacht, da sogar auf die Fahrzeuge gefeuert wurde, die offensichtlich das Leben der schiffbrüchigen Seeleute retten wollten und sich ohnehin schon in die Gefahr der feindlichen Minensperre gebracht hatten. Aus heutiger Sicht war das ein eindeutiger Verstoß gegen schon damals geltendes Kriegsvölkerrecht. Dieser Vorwurf muss den deutschen und türkischen Soldaten, die an dieser Schlacht teilnahmen, gemacht werden und wirft im Nachhinein ein schales Licht auf diesen Sieg gegen die alliierte Flotte. Die Verluste der alliierten Flotte waren hoch. Von 18 Schiffen waren sechs gesunken oder für längere Zeit außer Gefecht gesetzt worden. Auf Seite der Verteidiger waren hingegen lediglich 114 Mann, darunter 22 deutsche Soldaten, gefallen oder verwundet worden. Von insgesamt 176 Geschützen, inklusive denen der beweglichen Haubitz-Batterien, waren nur neun zerstört worden. Die Forts waren ebenfalls nicht substanziell beschädigt worden – auch wenn gewaltige Mengen an Artilleriemunition auf die Befestigungen abgefeuert worden waren. Von den zehn Minensperren in den Dardanellen waren noch neun intakt. Allerdings war die Munitionslage auf der türkischen Seite nach diesem Gefecht kritisch. Die mittleren Haubitzen und Minensperr-Batterien hatten ihren halben Munitionsvorrat verschossen und für die fünf 35,5-cm-Geschütze der Festungsartillerie waren nur noch insgesamt 271 Schuß vorhanden. Für die elf 23-cm-Geschütze waren nur noch zwischen 30 und 58 Schuß je Geschütz verfügbar, wobei der Vorrat an den gegen die Schlachtschiffe einzig wirksamen Sprenggranaten fast vollständig verbraucht war. Einen zweiten, ähnlich heftigen Angriff hätte man daher aus Munitionsmangel schwerlich abwehren können; einem dritten hätte man vermutlich nichts mehr entgegensetzen können[xvii]. Nach dem 18. März hatte der Oberbefehlshaber der Meerengen-Front, Admiral von Usedom, sofort die restliche verfügbare Munition der Bosporus-Batterien an die Dardanellen liefern lassen, während auch Munition aus Beständen der Flotte für die an den Meerengen stehenden Kaliber umgearbeitet wurde. Minen wurden aus Trapezunt und Smyrna gebracht, obwohl sie dort selbst nur schwer entbehrlich waren. Auch wenn ein Teil durch die modifizierten Munitionsfabriken in Istanbul ersetzt werden konnte, appellierte die türkische Führung weiter mit Nachdruck an die Deutschland, endlich für ausreichenden Nachschub zu sorgen.

 

 

[i] Wehrle, Aus meinem türkischen Tagebuch, S. 35

[ii] Wehrle, Aus meinem türkischen Tagebuch, S. 36

[iii] Mühlmann, Das Deutsch-Türkische Waffenbündnis im Weltkriege, S. 43

[iv] Mühlmann, Schlachten des Weltkrieges, Bd. 16 Der Kampf um die Dardanellen, S. 61 ff

[v] Pomiankowski, Der Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches, S. 114

[vi] Von Usedom, Bericht über die Kämpfe an den Dardanellen, S. 1 ff

[vii] Kannengiesser, Gallipoli, S. 62

[viii] Mühlmann, Schlachten des Weltkrieges, Bd. 16, Der Kampf um die Dardanellen, S. 63

[ix] Langensiepen, Halbmond und Kaiseradler, S. 105

[x] Offizierstellvertreter Rudolf Bettaque fiel am 07.05.1916 bei Gallipoli beim Minenräumen und wurde in Gallipoli bestattet. Heute steht sein Grabstein auf dem Soldatenfriedhof in Tarabya.

[xi] Langensiepen, Halbmond und Kaiseradler, S. 106

[xii] Pomiankowski, Der Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches, S. 120

[xiii] Yilmazer, The Air War Çanakkale

[xiv] Mühlmann, Der Kampf um die Dardanellen, S. 71

[xv] BA/MA, N 156 / 12, Admiral Wilhelm Souchon: Privatkorrespondenz mit Ehefrau Violet, Bd. 3, Die Anzahl der deutschen Verluste stimmt in diesem Bericht nicht mit den Aufzeichnungen Admirals von Usedom überein, der von 22 gefallen, bzw. verwundeten deutschen Soldaten berichtete.

[xvi] Von Usedom, Bericht über die Kämpfe an den Dardanellen, S. 7 ff

[xvii] Mühlmann, Der Kampf um die Dardanellen, S. 74

AM III, 53 AMS Kavalleriemarsch von Carl Wilhelm Opus 13 "Wrangel-Marsch